Luftfahrt Lufthansa fliegt bald mit Air Berlin

Künftig Geschäftspartner: Mit dem Winterflugplan Ende Oktober sollen 40 Flieger von Air Berlin samt Besatzung zu Lufthansa wechseln.

(Foto: Jasper Juinen/Bloomberg)
  • Lufthansa will ab dem kommenden Winterflugplan ein Drittel der Flüge der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin übernehmen.
  • Damit will sie unter anderem verhindern, dass sich Ryanair und Easyjet weiter breitmachen.
Von Jens Flottau, London

Die vorläufige Rettung der finanziell angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin steht offenbar kurz bevor. Nach SZ-Informationen soll der Lufthansa-Aufsichtsrat die Übernahme eines Teils des Air Berlin-Streckennetzes bei seiner nächsten Sitzung Ende September absegnen. Zu dem Geschäft gehört außerdem eine Zusammenarbeit von Lufthansa mit dem Air Berlin-Großaktionär Etihad Airways. Es gebe aber noch Differenzen über den Umfang der Kooperation, heißt es.

Wichtigster Teil der Vereinbarung: Lufthansa soll vom kommenden Winterflugplan an etwa 40 Flugzeuge von Air Berlin samt Besatzungen mieten. Der Winterflugplan tritt am 31. Oktober in Kraft. Bei diesem sogenannten "Wet Lease" überträgt Air Berlin den Teil ihres Netzes, der nicht die beiden Drehkreuze in Berlin und Düsseldorf berührt. Lufthansa integriert ihn in ihre Billigsparte Eurowings und übernimmt das kommerzielle Risiko für die Flüge. Die Airline, die die Flüge tatsächlich durchführt, bekommt in der Regel einen vereinbarten Stundensatz, der alle Kosten abdecken soll. Weder Lufthansa noch Etihad wollten sich zu den Vorgängen äußern.

Das Geschäft soll verhindern, dass Ryanair und Easyjet sich breitmachen

Air Berlin wäre dann mit weniger als 100 Flugzeugen etwa ein Drittel kleiner als die derzeit und soll sich auf Düsseldorf und Berlin konzentrieren. Die europäischen Zubringerstrecken gelten aber als besonders defizitär, während das Tourismusgeschäft vergleichsweise gut läuft. Etihad muss also weiter nach einem Modell suchen, den Air Berlin-Kern zu retten.

Sowohl Lufthansa als auch Etihad, vollständig im Besitz des Emirates Abu Dhabi, haben ein großes strategisches Interesse daran, ihre Verhandlungen erfolgreich zu beenden. Lufthansa will verhindern, dass die angeschlagene Air Berlin irgendwann unkontrolliert zusammenbricht. Dann nämlich würden Ryanair und Easyjet versuchen, die entstandene Lücke zu schließen und viel mehr Flugzeuge in Deutschland stationieren als bisher. Sie wären deutlich unangenehmere Konkurrenten für Lufthansa als die seit Langem schwächelnde Air Berlin.

Außerdem will Lufthansa Eurowings schnell ausbauen. Der Aufsichtsrat wird deshalb voraussichtlich auch beschließen, die belgische Brussels Airlines vollständig zu übernehmen und bei Eurowings einzubringen. Lufthansa hält derzeit 45 Prozent der Anteile an Brussels.

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Auch die mögliche Allianz mit Etihad ist betroffen

Vor allem aber Etihad ist an einer Einigung gelegen. Sie hält 29,2 Prozent der Air Berlin-Anteile und hat in den vergangenen Jahren deutlich mehr als einer Milliarde Euro in ihre Beteiligung gepumpt und so den Kollaps verhindert. Etihad-Chef James Hogan wollte sich über Air Berlin vor allem den Zugang zum deutschen Markt erkaufen. Der Deal mit Lufthansa würde nun zweierlei ermöglichen: Air Berlin trennt sich von seinem touristischen Netz, an dem Etihad kein Interesse hat, und bekommt so finanziell wieder Luft. Außerdem kann Hogan gegenüber Etihads Eigentümern argumentieren, Air Berlin habe zwar einen Teil des Streckennetzes zur Sanierung abgeben müssen, gleichzeitig habe Etihad aber mit der Lufthansa-Allianz einen wichtigen strategischen Durchbruch erreicht.

Die Sache ist pikant: Nach SZ-Informationen hatte Lufthansa noch unter dem ehemaligen Vorstandschef Christoph Franz eine Kooperation mit Etihad mehr oder weniger fix vereinbart. Carsten Spohr, damals noch Chef der Airline-Sparte, legte aber sein Veto gegen die Pläne ein und konnte den Abschluss in letzter Minute verhindern. Spohr beklagt zudem bis heute unfaire Wettbewerbsbedingungen, weil Etihad, Emirates und Qatar Airways angeblich von Subventionen profitieren. Ein Vorwurf, den die drei zurückweisen.

Mittlerweile haben sich Konstellationen und Interessen verschoben - als Konzernchef scheint Spohr nun bereit zu sein, doch noch mit Etihad zusammenzuarbeiten. Wie weitreichend die Allianz tatsächlich wird, ist allerdings noch umstritten. Klar ist, dass es um Gemeinschaftsflüge - sogenanntes Code-Sharing - geht. Dabei führt eine Fluggesellschaft einen Flug mit den Flugnummern mehrerer Partner durch, die ihre eigenen Passagiere auf diese Maschinen buchen können. Etihad will möglichst viele Flüge in die Kooperation einbringen. Lufthansa dagegen sieht das Geschäft dem Vernehmen nach eher als notwendiges Übel, das den Zugriff auf die Air Berlin-Strecken ermöglicht.

Unternehmenskreisen zufolge rechnet Lufthansa damit, dass der Deal vom Bundeskartellamt genehmigt wird. Allerdings dürfte dann eine mögliche Übernahme der Fluggesellschaften des Thomas Cook-Konzerns schwierig werden. Hier hat es ebenfalls Gespräche gegeben, die aber noch nicht so weit fortgeschritten sind wie die mit Etihad. Thomas Cook gehört unter anderem die Ferienfluggesellschaft Condor.

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