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Luftfahrt:Hunold erwägt Germania-Einstieg

Eine Investorengruppe um den ehemaligen Air-Berlin-Chef ist in Gesprächen mit der Airline.

Für die finanziell stark angeschlagene Fluggesellschaft Germania interessiert sich offenbar eine Gruppe von Investoren rund um den ehemaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Nach einem Bericht der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung haben Hunold und seine möglichen Partner Einsicht in die Bücher der Germania genommen und wollen nun so schnell wie möglich genügend Geld auftreiben, um das Unternehmen zu retten.

Germania-Chef Karsten Balke hatte Anfang Januar Liquiditätsschwierigkeiten eingestanden, vorvergangene Woche aber von einer wichtigen Zusage über mehr als die 15 Millionen Euro gesprochen, die Germania nach eigenen Angaben kurzfristig braucht, um weiterfliegen zu können. Balke zufolge sollte das Geld im Lauf der vergangenen Woche fließen. Dann jedoch schrieb er den Mitarbeitern, die Auszahlung der Löhne und Gehälter für Januar verzögere sich. Die Identität des möglichen Investors blieb im Dunkeln, Brancheninsidern zufolge handelt es sich um ein Unternehmen, das auch am Bau des neuen Berliner Flughafens beteiligt ist.

Der Name eines möglichen Investors blieb bisher unbekannt

Der 69-jährige Hunold war von 1991 bis 2011 Chef von Air Berlin, dann musste er wegen hoher Verluste zurücktreten, blieb aber im Aufsichtsrat. Air Berlin stellte nach der Insolvenz Ende 2017 den Flugbetrieb ein. Hunold war eng verbunden mit Germania-Gründer Hinrich Bischoff. Als dieser 2005 starb, verfügte er, Hunold solle Germania weiterführen und bei Air Berlin integrieren. Allerdings stellten sich Bischoffs Erben quer und beschlossen, die Firma eigenständig weiterzuführen. Später zerstritten sie sich.

2014 übernahm der zunächst als Geschäftsführer geholte Balke die Mehrheit an Germania. Die Gesellschaft expandierte zuletzt stark, um möglichst viel des ehemaligen Air-Berlin-Geschäfts zu übernehmen, einige riskante Experimente wie die Gründung einer Tochtergesellschaft in Gambia gingen schief und verschlangen viel Geld. Neben Hunold gehören zu der Investorengruppe angeblich auch die Ex-Blue-Wings-Manager Udo Stern und Jörn Hellwig. Blue Wings hatte 2010 Insolvenzantrag gestellt. Hunold reagierte zunächst nicht auf eine SZ-Anfrage.