Luftfahrt Europa stoppt Boeing "737 Max"

Eine Boeing des Typs 737 MAX 8 ist an der Außenwand der Fabrik in Renton, Washington, abgebildet. Der Konzern muss sich nun zahlreichen Anfragen zur Sicherheit seines neuen Modells stellen.

(Foto: Stephen Brashear/AFP)

Der Hersteller kündigt Änderungen an der Software des Fliegers an.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die Europäische Flugsicherheitsbehörde European Aviation Safety Agency (EASA) hat Flüge der Boeing 737 Max-Baureihe bis auf Weiteres verboten. Die Entscheidung sei als Vorsichtsmaßnahme getroffen worden, so die Behörde am Dienstagabend. Sie folgte mit dem Schritt zahlreichen Ländern - unter anderem hatten Deutschland, Frankreich und Großbritannien ihre Lufträume für Boeing-Flugzeuge der Typen 737 Max 8 und Max 9 gesperrt. Mit den Entscheidungen ziehen die Flugsicherheitsbehörden die Konsequenz aus den Abstürzen von zwei Maschinen des neuen Boeing-Typs 737 Max 8 innerhalb von fünf Monaten. Zuletzt war am Sonntag eine Maschine der Ethiopian Airlines nahe Addis Abeba verunglückt, 157 Menschen kamen ums Leben. Am 29. Oktober hatten die Piloten einer 737 der Lion Air die Kontrolle über die Maschine verloren, damals gab es 189 Opfer.

Nachdem zuvor China und Indonesien der 737 Max 8 Flugverbot erteilt hatten, folgten am Montag zahlreiche weitere Länder, neben den Europäern auch Australien, Singapur, Malaysia und Oman. Auch mehrere große Fluggesellschaften wie Lion Air, Ethiopian, Aeromexico, Norwegian und Gol aus Brasilien kündigten an, den Typ vorläufig nicht mehr einsetzen zu wollen. Der Reisekonzern Tui, der 15 Jets des Typs fliegt, ist von der Entscheidung Großbritanniens betroffen und stoppte ebenfalls seine Flüge mit der 737 Max.

Ob das umstrittene System beim jüngsten Absturz eine Rolle spielte, ist unklar

Hingegen halten die großen amerikanischen Betreiber American, Southwest und United bislang an der Maschine fest. Hintergrund ist eine Veröffentlichung der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) vom Montag, die dem Flugzeug weiterhin die Lufttüchtigkeit bescheinigte.

Der New York Times zufolge soll Boeing-Chef Dennis Muilenberg laut Insidern bei Präsident Donald Trump dafür geworben haben, kein Startverbot in den USA zu verhängen. Das Verfahren der europäischen Länder ist außergewöhnlich. Normalerweise stimmen sie sich innerhalb der Easa vor einer Entscheidung ab. Auch europäische und amerikanische Behörden arbeiten in der Regel in Flugsicherheitsfragen eng zusammen. Als erstes Land war am Dienstag Großbritannien ausgeschert. Flugzeughersteller Boeing betonte, die 737 Max sei sicher. Auf der Basis der verfügbaren Informationen gebe es keine Basis für neue Instruktionen an die Betreiber. Trotzdem hatte das Unternehmen zuvor bereits Änderungen an der Software des sogenannten "Maneuvering Characteristics Augmentation System" (MCAS) der 737 Max angekündigt. Diese seien seit längerem in Arbeit, sollten nun aber "in den nächsten Wochen" eingeführt werden, hieß es.

Das umstrittene neue System hatte mutmaßlich beim Absturz der Lion-Air-Maschine eine Rolle gespielt, Details werden noch untersucht. Derzeit gibt es noch keine Hinweise darauf, dass eine Fehlfunktion der Software auch mitverantwortlich für die Ethiopian-Katastrophe gewesen sein könnte.

Die Airline sprach von Kontrollproblemen kurz nach dem Start.

Das MCAS-System drückt in bestimmten Flugsituationen die Nase der Maschine nach unten, um einen gefährlichen Strömungsabriss zu verhindern. Beim Flug der Lion-Air-Maschine hatte aber offenbar ein Sensor am Flugzeug versagt und falsche Daten geliefert, die Piloten waren in dieser Notlage überfordert und verloren die Kontrolle über das Flugzeug. Die von Boeing angekündigte Modifikation soll auch dafür sorgen, dass die Piloten wissen, wann das MCAS aktiv ist und schränkt seine Wirkung ein.