Luftfahrt Brexit belastet  Easyjet

Die Briten fliegen in diesem Sommer nicht mehr so viel wie in den Vorjahren, zeigt die Buchungslage. Im Bild der Flughafen Gibraltar.

(Foto: PETER CZIBORRA/REUTERS)

Britische Billigfluggesellschaft warnt vor schwächerer Nachfrage im Sommer, die sich bei Ticketpreisen auswirkt.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Easyjet hatte auch eine gute Nachricht. "Was immer passiert, wir fliegen normal weiter", vermeldete Johan Lundgren, Chef der zweitgrößten europäischen Billigfluggesellschaft. Seine Aussage bezog sich natürlich auf die verworrene Lage rund um den Brexit, in der die europäischen und britischen Fluggesellschaften versuchen müssen, neue Regularien einzuhalten, die sie zum großen Teil noch nicht kennen.

Die nicht so gute Nachricht, die Lundgren auch verbreiten musste, sorgte indes dafür, dass die Easyjet-Aktie zeitweise etwa acht Prozent ihres Wertes verlor. Denn Lundgren warnte, der Ausblick für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2019 müsse nun "vorsichtiger" sein. Bei Easyjet endet das Geschäftsjahr am 30. September. Die Airline mag auf den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union so gut vorbereitet sein wie sie will, die "makroökonomische Unsicherheit und die vielen unbeantworteten Fragen rund um den Brexit zusammen sorgen für schwächere Nachfrage." Vor allem die britischen Kunden fliegen im Sommer nach Lage der Buchungen offenbar weniger häufig, als das Unternehmen bisher angenommen hat.

Vor allem im dritten Quartal, das bei Easyjet den Zeitraum April bis Juni einschließt und damit bereits einen guten Teil der Sommersaison abdeckt, wirkt sich dem Unternehmen zufolge die schwache Nachfrage aus. Das Timing ist besonders unglücklich, weil Easyjet oft den gesamten Gewinn im Sommer macht. Von Juli an rechnet das Unternehmen dann damit, die Ticketpreise wieder stabilisieren zu können, zumal bis dahin mehr Klarheit über den Zeitplan und Details des Brexit herrschen sollte.

Im ersten Halbjahr machte das Unternehmen bei einem Umsatz von 2,3 Milliarden Pfund einen Verlust von 275 Millionen Pfund. Der Umsatz pro Sitz sank um 7,4 Prozent, auch deswegen, weil die Airline die Kapazität um 14,5 Prozent erweitert hat. Immer noch belastet wird das Ergebnis durch den Aufbau der Basis in Berlin-Tegel, die weiter Verluste schreibt. Easyjet hatte im Januar 2018 mit hohen Anlaufkosten die Station der insolventen Air Berlin übernommen, um die Präsenz im deutschen Markt zu stärken. Auch sonst sind die Kosten wegen der vielen Flugausfälle im vergangenen Jahr gestiegen - Easyjet musste nun wie viele andere Fluggesellschaften mehr Geld investieren, um den Flugplan weniger störungsanfällig zu machen.

Die Probleme von Easyjet hatten auch Folgen für die Aktien anderer Fluggesellschaften. Lufthansa verlor zeitweise 1,6 Prozent, Air France-KLM 2,1 Prozent und Ryanair, die wie Easyjet besonders abhängig vom britischen Markt ist, gar 3,7 Prozent.