Luftfahrt Airbus macht ein großartiges Schnäppchen

Ein Flugzeug des neuen C-Series-Programms von Bombardier - das nun von Konkurrent Airbus übernommen wird.

(Foto: AFP)

Der Flugzeughersteller kann beim Kauf der Kurz- und Mittelstreckenproduktion von Bombardier quasi nichts verlieren - hat jetzt aber gegenüber Konkurrent Boeing einen entscheidenden Vorteil.

Kommentar von Jens Flottau

Airbus-Verkaufschef John Leahy ist normalerweise keiner, der die Konkurrenz verschont. Vor allem über Boeing lästert Leahy gerne. Doch als die Kollegen von Bombardier ihm 2015 beim Aerosalon von Le Bourget ihre neue C-Serie vorstellten, da konnte sich selbst Leahy ein Lob nicht verkneifen. Es handele sich um ein "nettes, kleines Flugzeug". Damals war das Lob noch ein bisschen vergiftet, denn etwas, was nett und klein ist, braucht man ja nicht unbedingt, wenn man groß und stark ist.

Doch nun steigt Airbus ein, und es ist ein großartiges Schnäppchen. Der Großteil der Investitionen ist bereits geleistet, was jetzt noch kommt, ist der Produktionshochlauf. Wie so etwas zu bewerkstelligen ist und welche Fehler zu vermeiden sind, darin kennt sich Airbus aus eigener, zuweilen leidvoller Erfahrung bestens aus. Das Risiko, in ein Fass ohne Boden zu investieren, ist also gering bis nicht vorhanden.

Die Lage war offenbar tatsächlich verzweifelt

Die Übernahme der C-Serie verschafft Airbus in mehrfacher Hinsicht Vorteile: Es hat nun ein Flugzeug im Portfolio, gegen das Boeing kein Konkurrenzmodell aufbieten kann. Ob die C-Serie zu einem großartigen Verkaufserfolg wird, ist dabei aus Airbus-Sicht fast egal - siehe die bereits geleisteten Investitionen.

Es wird aber auf alle Fälle die eigene Position in Verkaufskampagnen stärken. Denn Leahy hat recht: Die C-Serie ist technisch, wirtschaftlich und aus Passagiersicht ein hervorragendes Flugzeug, besser als die älteren 737 und A 320. Und als Teil eines Großkonzerns mit großer Einkaufsmacht werden sich auch die Kosten beim Einkauf für die C-Serie deutlich senken lassen.

Vor allem aber verhindert die Übernahme den Einstieg der chinesischen Luftfahrtindustrie bei Bombardier, über den seit Jahren immer wieder verhandelt worden ist. Dieser wäre nicht im strategischen Interesse von Airbus gewesen, schließlich hätte China schneller Zugang zu Luftfahrt-Know-How bekommen, das sich neue Anbieter üblicherweise eher in Jahrzehnten als in Jahren aneignen. Und Bombardier? Dass Airbus nun quasi zum Nulltarif die Mehrheit am wichtigsten Flugzeugprogramm des kanadischen Konzerns bekommt, zeigt doch nur, wie verzweifelt die Lage tatsächlich war.

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