Luftfahrt Air Berlin wird aufgespalten

  • Air Berlin selbst will sich künftig auf die Standorte Berlin und Düsseldorf konzentrieren und sich dort im Premium-Segment etablieren.
  • Der Konzern hat seit Jahren hohe Verluste geschrieben und seit 2006, dem Jahr des Börsenganges, nur ein einziges Mal einen Gewinn erwirtschaftet.
  • 2012 übernahm Etihad Airways einen Anteil von 29,2 Prozent an der Airline und musste seither weit mehr als eine Milliarde Euro zuschießen.
Von Jens Flottau, Frankfurt

Die finanziell schwer angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin wird in drei Teile aufgespalten. Das Unternehmen teilte am Mittwoch Abend mit, insgesamt rund 70 Flugzeuge künftig für die Lufthansa-Tochter Eurowings sowie in einem separaten Unternehmen für Ferienflüge einzusetzen. Air Berlin selbst will sich künftig auf die Standorte Berlin und Düsseldorf konzentrieren und sich dort im Premium-Segment etablieren. Bis zu 1200 der 8600 Arbeitsplätze sollen durch den Umbau verloren gehen.

Air Berlin hat seit Jahren hohe Verluste geschrieben und seit 2006, dem Jahr des Börsenganges, nur ein einziges Mal einen Gewinn erwirtschaftet. Deutschlands zweitgrößte Airline versuchte, auch mit Hilfe der Übernahmen von LTU und DBA stark zu wachsen und der Lufthansa Konkurrenz zu machen. 2012 übernahm Etihad Airways einen Anteil von 29,2 Prozent an der Airline und musste seither weit mehr als eine Milliarde Euro zuschießen, um Air Berlin am Leben zu halten. Die Verluste konnte Air Berlin aber zuletzt nicht mehr eindämmen.

"Durch den stetig zunehmenden Marktdruck sehen wir uns gezwungen, unser bestehendes komplexes Geschäftsmodell zu ändern", so Unternehmenschef Stefan Pichler. Er hatte vor einem Jahr einen eigenen Sanierungsplan vorgeschlagen, war aber damals am Widerstand des Hauptanteilseigners Etihad gescheitert. Sein Verbleib im Unternehmen ist unklar.

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Wie in der SZ-Montagsausgabe berichtet, plant Air Berlin, 40 Flugzeuge mitsamt Besatzungen an die Lufthansa zu vermieten. Der Vertrag soll, so teilten beide Seiten nun mit, für sechs Jahre gelten. 35 Maschinen werden künftig im Auftrag und in den Farben des Billig-Ablegers Eurowings fliegen, fünf werden für Austrian Airlines in Wien stationiert.

Damit würde sich Air Berlin in Österreich selbst Konkurrenz machen, denn in Wien ist auch die eigene Tochtergesellschaft FlyNiki beheimatet. Laut Lufthansa sollen die Leasingraten "zu markt- und wettbewerbsfähigen Konditionen" vereinbart werden - die Verhandlungen sind also nicht abgeschlossen. Dem Geschäft müssen zudem die deutschen Wettbewerbsbehörden zustimmen. In Kraft treten soll die Vereinbarung erst zum Sommerflugplan 2017, also Ende März.

Air Berlin selbst soll künftig nur noch 75 Maschinen in Eigenregie betreiben

Air Berlin bestätigte zudem, dass sie das touristische Geschäft mit rund 35 Flugzeugen in einer separaten Einheit zusammenfassen will. Für dieses sollten "strategische Informationen geprüft werden." Nach SZ-Informationen verhandelt das Unternehmen mit dem Touristikkonzern TUI darüber, eine gemeinsame Fluglinie zu gründen. An dieser könnte auch Air Berlin-Anteilseigner Etihad beteiligt sein.

Air Berlin selbst soll künftig nur noch 75 Maschinen in Eigenregie betreiben, darunter 17 Langstreckenjets. Die Airline wolle künftig von Düsseldorf und Berlin aus in "ertragreiche Märkte" fliegen. "Eine schlankere, dynamische und stärkere Air Berlin ist zukunftsfähig," glaubt Pichler.

Daran haben viele Unternehmenskenner starke Zweifel, denn die Grundprobleme wie die hohe Schuldenlast und die hohen operativen Kosten bleiben. Sie glauben auch, dass der strategische Plan für die Rest-Air Berlin auf unrealistischen Annahmen basiert. Unter anderem gehe dieser davon aus, auf den Transatlantikstrecken deutlich höhere Preise erwirtschaften zu können und mit Allianzpartner Alitalia deutliche Synergien zu erreichen.

Der Umbau mache, so Pichler, den Stellenabbau unvermeidlich. Air Berlin wolle vielen Mitarbeitern einen freiwilligen Ausstieg ermöglichen und die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen minimieren. Vor allem die Verwaltung ist von dem Rückbau betroffen, das fliegende Personal ist davon offenbar weitgehend unberührt.

Der Lufthansa ermöglicht die Übernahme der Air-Berlin-Flugzeuge, Eurowings zum drittgrößten Billigflieger Europas zu machen. Vor allem aber hofft Lufthansa darauf, das Wachstum von Ryanair und Easyjet im deutschen Markt aufzuhalten.

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