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Luftfahrt:Air Berlin muss warten

Pk Air Berlin

Air Berlin-Chef Stefan Pichler will den Betrieb mit dem umstrittenen Sparpaket vom kommenden Jahr an wieder in die Gewinnzone bringen.

(Foto: Maja Hitij/dpa)

Eine Entscheidung des Aufsichtsrats über das Sparpaket für die angeschlagene Fluggesellschaft wurde vertagt. Das Programm mit Kapazitätskürzungen und Stellenstreichungen ist intern umstritten.

Bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin wurde die für Dienstag angesetzte Sitzung des Verwaltungsrates kurzfristig verschoben - damit gibt es auch noch keine Beschlüsse zum geplanten Sanierungsprogramm. Das Unternehmen bestätigte lediglich, das Präsidium des "Board of Directors" habe mit dem Vorstand der angeschlagenen Fluggesellschaft getagt. Dabei sei die mittelfristige Planung bis 2018 beraten worden. Die Ergebnisse des "weit fortgeschrittenen Planungsprozesses" würden in Kürze allen Verwaltungsräten vorgestellt.

Dem Vernehmen nach hat sich das Präsidium des Verwaltungsrates schon Montagabend bei einem informellen Treffen entschieden, das Programm noch nicht zu beschließen. Dem Gremium gehören der Vorsitzende Hans-Joachim Körber sowie Etihad Airways-Chef James Hogan und der ehemalige Air Berlin-Chef Joachim Hunold an. Gründe für die Entscheidung wurden nicht genannt.

Air Berlin-Chef Stefan Pichler, der seit Februar 2015 im Amt ist, will den Betrieb mit dem Sparpaket von kommendem Jahr an wieder in die Gewinnzone bringen. Es geht vor allem um Kapazitätskürzungen, auch Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Das Programm ist allerdings intern umstritten. Pichler will dezentrale Europastrecken streichen, weil sie für einen Großteil der Verluste verantwortlich sind. Im Gegenzug sollen große Standorte wie Düsseldorf oder Berlin gestärkt werden. Die Touristik-Strecken und die große Basis in Palma de Mallorca werden ebenso wie die Langstrecken nicht in Frage gestellt.

Bei der nächsten Verwaltungsratssitzung werden Air Berlin und Großaktionär Etihad Airways voraussichtlich auch Klarheit darüber haben, wie viele ihrer Gemeinschaftsflüge (Code-Sharing) sie im Winterflugplan fortsetzen können. Das Bundesverkehrsministerium argumentiert, diese seien nicht vom bilateralen Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gedeckt. Es will dem Vernehmen nach deshalb nur einen Teil der rund 30 umstrittenen Strecken genehmigen. Dies wäre für beide Fluggesellschaften ein schwerer Rückschlag, denn Etihad hat sich an Air Berlin vor allem deshalb beteiligt, um Zugang zu einem europäischen Zubringernetz zu bekommen. Eine Entscheidung des Ministeriums wird in den nächsten Tagen erwartet.