bedeckt München 16°

Luftfahrt:Air Berlin hofft auf Hilfe vom Staat

Air Berlin

Air Berlin steckt nach strategischen Fehlern in einer existenziellen Krise.

(Foto: dpa)
  • Bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen hat Air Berlin eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt.
  • Eine solche Anfrage ist der übliche Weg, falls Unternehmen in einem zweiten Schritt dann tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Der kriselnde Konzern Air Berlin sucht finanzielle Unterstützung bei der Politik. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft erwägt offenbar, eine Bürgschaft bei den Ländern Berlin und Nordrhein-Westfalen zu beantragen. Bei den Landesregierungen hat Air Berlin eine entsprechende Anfrage auf Prüfung gestellt, bestätigte ein Firmensprecher am Donnerstag. Eine solche Anfrage ist der übliche Weg, falls Unternehmen in einem zweiten Schritt dann tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellen. Um welche Summe es bei einer Bürgschaft gehen könnte, ist bislang unklar. Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass Air Berlin seine Tochter Niki nun doch nicht an die Ferienfluggesellschaft Tuifly verkaufen wird. Air Berlins Großaktionär Etihad strebe offenbar eine Perspektive für das "Gesamtunternehmen Air Berlin/Niki" an, heißt es in einer internen Mitteilung des Reisekonzerns Tui an die Beschäftigten, "und will Niki nicht mehr aus Air Berlin herauslösen". Ohne den Verkauf der österreichischen Tochter scheint es noch schwieriger, die finanziell angeschlagene Air Berlin zu retten. Das Land Berlin will die Bürgschaftsanfrage der Fluggesellschaft nun gemeinsam mit dem Bund beraten, kündigte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Donnerstag an. "Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten prüfen, inwieweit das Land Berlin eine zukunftsorientierte Strategie der Airline unterstützten kann", sagte Pop. Air Berlin trage den Namen der Stadt täglich in die Welt hinaus. Die Fluggesellschaft müsste den Flugbetrieb allerdings wieder stabilisieren. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium lehnte eine Stellungnahme zunächst ab. Die nun geplatzte Fusion von Niki und Tuifly galt als wesentlicher Teil eines Sanierungsplanes für Air Berlin. Die österreichische Tochter Niki sollte mit den Flügen zu europäischen Ferienzielen aus Air Berlin herausgelöst und mit Tuifly zusammengeführt werden. An der neuen Firma wären sowohl der deutsche Reisekonzern als auch Etihad beteiligt gewesen. Die arabische Fluggesellschaft ist mit 29,2 Prozent größter Aktionär von Air Berlin und hält den Flugbetrieb der Berliner bislang mit regelmäßigen Finanzspritzen aufrecht.

Für die Niki-Anteile hat Etihad 300 Millionen Euro an Air Berlin überwiesen. Daher befindet sich die österreichische Fluggesellschaft nun zu 49 Prozent im Besitz von Etihad; die Mehrheit hält eine österreichische Stiftung, um die Richtlinien für nicht-europäische Investoren einzuhalten. Etihad ist damit an zwei Airlines beteiligt, die nach den Worten des eigenen Managements alleine auf Dauer nicht überlebensfähig sind. Niki muss nach dem Scheitern der Fusion auch die sehr teuren Mietverträge für 14 Tuifly-Jets weiterführen.

Nach Informationen aus Branchenkreisen war der Etihad-Aufsichtsrat lange der Überzeugung, die Beteiligungen an Air Berlin, Niki und der italienischen Alitalia würden gut laufen. Doch Alitalia wurde im Mai unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Erst jetzt wurde dem Gremium offenbar bewusst, dass Etihad bei der Tuifly/Niki-Fusion hätte Etihad fast einseitig das wirtschaftliche Risiko tragen sollen, wie aus den Vertragsentwürfen hervorgeht.

© SZ vom 09.06.2017/hgn

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite