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Lothar Adler:Siemens-Betriebsratschef verzichtet auf Verlängerung

Siemens-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Lothar Adler

Wollte einige Monate länger arbeiten - und nimmt nun davon Abstand: Siemens-Betriebsratschef Lothar Adler

(Foto: dpa)

Bei Siemens hatte sein Wunsch zu heftigen Turbulenzen geführt. Nun pocht Betriebsratschef Lothar Adler nicht mehr auf die Verlängerung seines Arbeitsvertrags.

Von Christoph Giesen

Sogar einen Türsteher hatten die Siemens-Betriebsräte eigens angeheuert. Penibel kontrollierte er am Mittwoch die Namensschilder. Nur wer eine der weißen Plastikkarten mit Siemens-Logo am Revers trug, wurde zu der Versammlung eingelassen. Jeden anderen wies er freundlich, aber sehr bestimmt ab.

Die Nervosität bei der Siemens-Betriebsrätekonferenz im Berliner Tagungshotel Estrel, sie war hoch, die Stimmung so gereizt wie seit Jahren schon nicht mehr, denn zwischen Konzernspitze und Betriebsrat schwelt seit Wochen der Streit um die Gehaltsaffäre um Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Nun zeichnet sich jedoch ein Ende der Querelen ab.

Das Unternehmen teilte am Mittwochabend mit, dass Adler während der Konferenz im Estrel angekündigt habe, auf eine Verlängerung seines Vertrages zu verzichten. Er werde mit Erreichen der Altersgrenze Ende Mai 2014 bei Siemens ausscheiden. Ursprünglich wollte er bis zur Hauptversammlung im Februar 2015 Siemens-Mitarbeiter bleiben - und sich dann auch aus dem Aufsichtsrat verabschieden, für den er bis 2017 gewählt sei. Sein Mandat als Betriebsrat wäre mit der Neuwahl der Arbeitnehmervertreter im kommenden Frühjahr erloschen.

Adler, so berichteten Vertraute, habe dem Konzern in schwierigen Zeiten beistehen wollen. Doch im Unternehmen selbst hatte Adlers Verlängerungswunsch zu heftigen Turbulenzen geführt. Unter der Führung der ehemaligen Personalchefin Brigitte Ederer, die Ende September nach Streitigkeiten mit den Arbeitnehmern das Unternehmen verlassen musste, wurden zwei juristische Gutachten in Auftrag gegeben. Beide Expertisen kamen zu dem Ergebnis, dass eine Weiterbeschäftigung Adlers rechtlich schwierig sei.

Streitpunkt: die hohen Bezüge Adlers

Der Hauptgrund für die Unruhe: Adlers hohes Gehalt. Die Bezüge des gelernten Fernsehtechnikers waren nach seiner Wahl zum Gesamtbetriebsratschef Anfang 2009 deutlich auf etwa 300.000 Euro gestiegen. Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser ordnete deswegen im Oktober eine Untersuchung der Gehaltserhöhung an. Der zuständige Personalchef von Siemens Deutschland, Walter Huber, der maßgeblich an Adlers Gehaltssprung mitgewirkt haben soll, wurde sogar bis zur Klärung der Umstände beurlaubt.

Noch bis vor Kurzem hatte sich Adler uneinsichtig gezeigt und seinen Antrag auf Vertragsverlängerung auch beim neuen Arbeitsdirektor und Ederer-Nachfolger Klaus Helmrich eingereicht. Doch intern stieg der Druck: Sollte Adler auf seiner Verlängerung beharren, so sorgten sich viele Betriebsräte in den vergangenen Tagen, könne Helmrich nicht umhin, Adlers Verlängerungswunsch abzulehnen. Alleine schon deswegen, weil er als neuer Arbeitsdirektor Profil zeigen muss. Sie fürchteten, dass Adlers Privatfehde im schlimmsten Fall die Betriebsratswahlen im kommenden Jahr hätten überschatten können.

Nun ist Adler also doch dazu bereit, die Konsequenzen zu ziehen, auf seine Vertragsverlängerung zu verzichten und damit die seit Wochen angespannte Lage zu beruhigen.

© SZ vom 21.11.2013/fran

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