OECD-BerichtLong Covid betrifft bis zu 15 Millionen Menschen

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Die Folgen der Pandemie zeigen sich bis heute.
Die Folgen der Pandemie zeigen sich bis heute. Annette Riedl/Deutsche Presse-Ag
  • Weltweit leiden noch immer bis zu 15 Millionen Menschen an Long Covid, fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Pandemie.
  • Long Covid könnte die Gesundheitssysteme in den nächsten zehn Jahren jährlich 11 Milliarden Dollar kosten und das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent senken.
  • Deutschland wird als positives Beispiel hervorgehoben, da es Long Covid als Berufskrankheit anerkennt und spezielle Forschungsprojekte fördert.
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„Wie ein langer Schatten“ zeigen sich die Folgen der Pandemie noch heute, sagt die Organisation. Das ist nicht nur für die Betroffenen schlimm, sondern kostet Milliarden und belastet ganze Volkswirtschaften.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Es ist schon sechs Jahre her, dass Covid für alle zu einem bekannten Begriff wurde. Von den gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einer Sars-CoV-2-Infektion, Long Covid genannt, sind aber noch viele Menschen weltweit betroffen. Die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am Mittwoch einen 84 Seiten umfassenden Bericht veröffentlicht, in dem sie sich mit den Kosten für die Betreuung und Behandlung von Betroffenen beschäftigt. Auf dem Höhepunkt der Pandemie 2021 seien etwa fünf Prozent der Bevölkerung in der EU und den OECD-Staaten betroffen gewesen – rund 75 Millionen Menschen. Fünf Jahre später sei Long Covid „wie ein langer Schatten“ noch immer vorhanden, schreiben die Autoren. Denn noch immer kämpfen 0,6 bis ein Prozent der Bevölkerung mit den Folgen der Infektion, also bis zu 15 Millionen Menschen. Die Symptome reichen von chronischer Erschöpfung über kognitive Dysfunktionen bis zu Kurzatmigkeit.

Auch wenn die Zahl der Betroffenen sinkt, die Kosten bleiben hoch. In nüchterne Zahlen genossen heißt das: In den kommenden zehn Jahren könnte Long Covid die Gesundheitssysteme pro Jahr elf Milliarden US-Dollar kosten und das jährliche Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedstaaten im Durchschnitt um 0,2 Prozent senken, rechnen die OECD-Ökonomen vor und betonen: Dies sei konservativ gerechnet. Denn die indirekten wirtschaftlichen Kosten von Long Covid, also die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Produktivität und das Wirtschaftswachstum, werden die Ausgaben für die medizinische Behandlung bis 2035 „bei Weitem übersteigen“. Gerade die indirekten Kosten von Long Covid stellten „eine große Belastung für die OECD- und EU-Mitgliedsländer dar“, schreibt die Organisation.

In dem Bericht wird folgende Rechnung angestellt: Bis zu zehn Prozent der an Long Covid leidenden Personen fallen im ersten Jahr nach der Infektion auf der Arbeit aus. Mit jährlich 135 Milliarden US-Dollar könnten die Long-Covid-Fälle sowie neue Infektionen die Wirtschaften der OECD-Länder in den kommenden zehn Jahren insgesamt belasten. Dies entspreche dem gesamten jährlichen Gesundheitsbudget der Niederlande oder Spaniens, heißt es in dem Bericht.

Die Autoren der mit vielen Zahlen gespickten Studie weisen mehrfach darauf hin, dass der Umgang mit Long Covid nicht nur ökonomische Auswirkungen habe, sondern auch soziale Folgen. „Jeder Patient verdient es, gehört zu werden und mit Würde behandelt zu werden. Viele Menschen mit Long Covid sind auf Ungläubigkeit oder Stigmatisierung gestoßen, was anhaltende kulturelle und informationelle Lücken aufzeigt.“

Deutschland als positives Beispiel

In dem Bericht betont die OECD, dass nur sechs Länder, darunter Deutschland, überhaupt definiert haben, wie man mit Long Covid, das sehr viele verschiedene Symptome aufweist, umgehen soll. Nur fünf OECD-Länder (Deutschland, Österreich, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz) haben ein spezielles Gesundheitsbudget vorgesehen. In Deutschland werde Long Covid auch als Berufskrankheit anerkannt.

Als positives Beispiel wird Deutschland – neben den Niederlanden – auch deshalb hervorgehoben, weil zwei Forschungsprojekte über Long Covid vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt werden. Dabei geht es in einem Fall um klinische Erscheinungsbilder von Infektionssyndromen wie der chronischen Erschöpfung sowie Symptomen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung. Im zweiten Fall werden vier Pilotprojekte zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Long Covid untersucht. Positiv erwähnt wird weiterhin, dass das Bundesgesundheitsministerium bis 2028 ein Projekt fördert, in dessen Rahmen ein Versorgungsnetzwerk für junge Menschen eingerichtet wurde, die von Long Covid betroffen sind.

Die OECD beendet ihren Bericht mit dem Appell, Wiedereingliederungsprogramme aufzusetzen, die auf die Bedürfnisse von Long-Covid-Betroffenen zugeschnitten sind.  So könnten „eine bessere Versorgung, Koordination, Planung und speziell für Menschen mit Long Covid entwickelte Wege dazu beitragen, die Patienten zurück zu guter Gesundheit und wirtschaftlichen Chancen zu führen“. Das würde helfen, den langen Schatten, den die Pandemie geworfen hat, wenigstens ein wenig zu verkürzen.

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