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Lokführer bekommen mehr Gehalt:Wegweisender Abschluss

Schöne Ferien - für die Lokführer gibt es mehr Gehalt, Reisende brauchen keine Streiks zu fürchten. Was die Gewerkschaft GDL ausgehandelt hat, gilt nun als Vorgabe für die Gespräche über die Gehälter der anderen Bahn-Angestellten.

Hart aber fair - so beschrieb der Personalvorstand der Deutschen Bahn Ulrich Weber die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) und ihrem Arbeitgeber, der Deutschen Bahn. Die Lokführer bekommen nun eine beachtliche Lohnerhöhung. Für Reisende heißt das, dass ihre Züge in den nächsten zwei Jahren zumindest nicht wegen Streiks ausfallen oder verspätet sein werden.

Die Lokführer, deren Gewerkschaft schon 2008 einen eigenständigen Tarifvertrag durchgesetzt hat, haben ihre Wünsche fast erfüllt bekommen: Mit einer Forderung nach sieben Prozent mehr Gehalt innerhalb von einem Jahr waren sie in die Verhandlung gegangen. Nun erhalten sie insgesamt eine Lohnerhöhung von 6,2 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sprach von einer "durchaus beachtenswerten Verhandlungsleistung" und einer "beachtlichen Erhöhung" der Einkommen. Der Abschluss erhöhe die Attraktivität des Lokführerberufs, betonte er.

Die Bahn hatte zunächst angeboten, das Gehalt der Lokführer zum 1. Juli um zwei Prozent und im Oktober 2013 um weitere 2,5 Prozent anzuheben. Die GDL hatte das Angebot jedoch als "völlig unzureichend" zurückgewiesen.

Rückwirkende Gehaltserhöhung

Nun wird das Gehalt der mehr als 20.000 Lokführer rückwirkend zum 1. Juli um 3,8 Prozent angehoben. Nach 16 Monaten, zum 1. November 2013, wird noch einmal um 2,4 Prozent erhöht. Dann steigt außerdem die betriebliche Altersvorsorge um ein Prozent. Vereinbart wurde außerdem, dass im laufenden Jahr die Zahl der Auszubildenden zum Lokführer auf rund 500 erhöht werden soll. Geplant sei, diesen Trend in den kommenden beiden Jahren fortzusetzen.

Lokführer arbeiten laut GDL-Tarifvertrag von 2011 bis zu zehn Stunden täglich, an Sonn- und Feiertagen bis zu 12 Stunden. Ihr Einstiegsgehalt liegt bei mindestens 2097 Euro brutto. Nach 25 Jahren verdienen sie, je nach Qualifikation, höchstens 3328 Euro brutto monatlich.

Die GDL hatte vor den Verhandlungen angekündigt, noch während der Ferienzeit zu streiken, sollten die Gespräche zu keinem Ergebnis führen. So war es vor zwei und fünf Jahren gewesen, als die Lokführer lange Zeit den Reiseverkehr behinderten, um ihren eigenständigen Tarifvertrag durchzusetzen. Nun aber einigten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber bereits in der zweiten Verhandlungsrunde.

GDL-Vertrag wegweisend für weitere Bahnmitarbeiter

"Wenngleich wir an die Grenze des Machbaren gegangen sind, zeigt das Ergebnis Augenmaß", sagte DB-Personalvorstand Ulrich Weber. Der Abschluss erhöhe die Planungssicherheit in einer Phase, "die durch Unsicherheiten in der Eurokrise geprägt ist und zu einer Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik führen kann", erklärte Weber.

Der Flächentarifvertrag bei der Deutschen Bahn und anderen Schienengüterverkehrsunternehmen war am 30. Juni ausgelaufen - und damit auch die Friedenspflicht. Die GDL hatte sich in der Vergangenheit wiederholt Auseinandersetzungen - auch mit längeren Streiks - mit dem Staatskonzern geliefert. Die Gewerkschaft steht in Konkurrenz zur weitaus größeren Arbeitnehmervertretung EVG, die die übrigen Berufsgruppen in Deutschland mit mehr als 100.000 Beschäftigten vertritt. Die EVG wird Ende des Jahres mit der Bahn über Löhne verhandeln. Das Tarifergebnis mit der GDL gilt daher auch als Messlatte für diese Gespräche.

Die Nachrichtenagentur dapd meldete diese Woche, die Deutsche Bahn habe die Anzahl ihrer Fahrgäste von Januar bis Juni um rund drei Prozent erhöhen können. Im ersten Halbjahr habe das Unternehmen 1,4 Milliarden Fahrgäste transportiert, 40 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen könne die Bahn auch bei Umsatz und Gewinn Rekorde vermelden, hieß es. Ein Bahnsprecher wollte die Angaben weder bestätigen noch dementieren.

Verkehrsminister Peter Ramsauer sagte in einem Interview mit der Wochenzeitschrift Focus, dass der Bund weitere Mittel für die Modernisierung des Bahnnetzes bereitstellen werde. "Bis 2025 finanziert der Bund 29 Neubauvorhaben im Schienennetz für insgesamt 26 Milliarden Euro", sagte er. Weitere hundert Millionen Euro würden dieses und kommendes Jahr in die Sanierung von Bahnhöfen investiert. Von den rund 5700 Personenbahnhöfen in Deutschland seien bereits rund 2100 mit Konjunkturmitteln saniert.

© Süddeutsche.de/dapd/dpa/Reuters/AFP/vgr
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