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Lohnquote:Menschen verlieren auf dem Arbeitsmarkt gegen Roboter

Das wiederum bedeute, dass es vor allem zwei Ursachen für die weltweit steigenden Ungleichgewichte gebe: die rasante Entwicklung neuer Technologien sowie der zunehmende Grad der globalen Arbeitsteilung. Der technologische Fortschritt lasse die Preise von Investitionsgütern "steil fallen". Investitionsgüter sind beispielsweise Maschinen und Roboter. Außerdem würden Arbeitskräfte freigesetzt, die vor allem routinemäßige Tätigkeiten ausgeführt hätten, die nach und nach automatisiert werden, schreiben die IWF-Ökonomen. Neue Technologien seien der größte Treiber für wachsende Ungleichgewichte in Industriestaaten. Sie hätten deutlich größere Auswirkungen als die Globalisierung.

Die IWF-Ökonomen sehen ihre Analyse durch bereits existierende Studien bestätigt. In denen wird bereits gewarnt: Normal qualifizierte Arbeitskräfte verlieren langfristig ihre Jobs, denn es werde zunehmend automatisiert und Produktion ins Ausland ausgelagert. Dazu komme noch ein sich verschärfender Preiskampf über Importe.

Der IWF fordert bessere Fortbildung und Umverteilung

Vor detaillierte Handlungsanweisungen für nationale Regierungen, etwa in der Finanz- oder Haushaltspolitik, schreckt der IWF zwar zurück. Aber schon seine "allgemeinen" Empfehlungen zeigen deutlich den Abschied von einer neoliberalen Wirtschaftspolitik. Die Regierungen der Industriestaaten sollten ihre staatlichen Eingriffe so konzipieren, dass Arbeitnehmer besser mit Arbeitsplatzverlusten durch Automatisierung umgehen könnten. Nötig seien auch Weiterbildungsmaßnahmen für betroffene Arbeiter. Zudem sollten staatliche Maßnahmen den Wiedereintritt in den Job befördern. "Gut gemachte Maßnahmen können den Wiedereintritt in neue Jobs befördern und damit die Kosten staatlicher Transfers reduzieren", schreiben die IWF-Ökonomen.

Allerdings seien diese Maßnahmen allein nicht ausreichend, insbesondere wenn einzelne Regionen, Branchen oder Berufsgruppen permanent betroffen seien. In diesen Fällen seien längerfristig angelegte, staatliche Umverteilungsmaßnahmen nötig, so der IWF. Die Schritte müssten auf die spezielle Situation eines jeden Landes angepasst sein, insbesondere auf die sozialen Standards. Verliert eine Region also im Kampf gegen die Roboter, helfe den Menschen in manchen Fällen vor allem: Steuergeld.

Woher soll das Geld für solche Maßnahmen kommen? Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird deutlich konkreter als der IWF. "Die Politik muss dafür sorgen, dass Reichere und multinationale Unternehmen ihren Teil der Steuerlast tragen", forderte sie bereits 2015 unmissverständlich. Die meisten Industriestaaten senkten lange die Steuern für Reichere und Unternehmen. Die neoliberalen Tanker, wie sie Forscher Grabka nennt, wenden offenbar: "Sie sprechen sich für Maßnahmen aus, die man ihnen nicht im Traum zugetraut hätte. Die meisten deutschen Ökonomen dagegen verbleiben in der traditionellen Sichtweise".

© SZ.de/bbr
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