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Logistikunternehmen:Post feuert Chef des US-Expressgeschäfts

Die Deutsche Post unternimmt einen neuen Anlauf, um ihr verlustreiches US-Geschäft auf Vordermann zu bringen - und entlässt den bisherigen Chef.

Der Retter ist Brite, heißt Ken Allen und soll das chronisch kriselnde US-Expressgeschäft sanieren. Er folgt Hans Hickler nach, der den Posten nur knapp zwei Jahre innehatte.

Allen soll ein Sanierungsprogramm umsetzen, das der neue Post-Chef Frank Appel Ende Mai präsentieren will. Es besteht dringender Handlungsbedarf: Das Ergebnis der US-Express-Sparte sei "weiter negativ und nicht zufriedenstellend", beklagte Appel bei der Hauptversammlung in Köln.

Die Post prüfe alle Optionen für ihr US-Expressgeschäft und sei dabei nun in der "finalen Phase", sagte Appel bei seinem ersten Auftritt als Post-Chef vor den Anteilseignern. Eine Möglichkeit schließt er aber aus: "Ein Rückzug aus den USA ist keine Option."

Keine überstürzte Trennung von Postbank

Der Vorstand hatte in der Vergangenheit Optionen wie Partnerschaften oder einen Teilrückzug erörtert. Die Post versucht in den USA den Platzhirschen UPS und FedEx die Stirn zu bieten. Anlaufschwierigkeiten und Qualitätsprobleme hatten sie dabei aber immer wieder zurückgeworfen.

Milliarden-Verluste waren die Folge. Allein 2007 musste die Post rund 600 Millionen Euro auf das US-Geschäft abschreiben. Nun wird das Geschäft zudem von der flauen Konjunktur belastet, mit deren Auswirkungen auch FedEx und UPS kämpfen.

Bei den Aktionären stieß die Entwicklung in den USA auf harsche Kritik. Die Gewinne der Post seien rückläufig, kritisierte Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Der Aufsichtsrat dürfe nicht entlastet werden, da er die US-Entwicklung toleriert habe. Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, die Verluste in den USA könnten nicht mehr hingenommen werden.

Eine weitere Herausforderung für Appel, der sein Amt im Februar vom über eine Steueraffäre gestolperten langjährigen Konzernlenker Klaus Zumwinkel übernommen hatte, ist die Zukunft der Tochter Postbank.

Appel will sich dabei nicht überstürzt von dem Geldhaus trennen, das nebenbei auch hohe Beiträge zum Konzernergebnis leistet.

"Wir sind uns mit Investoren und Analysten einig, die Postbank nicht in Hast und Eile oder gar unter Wert zu verkaufen", bekräftigte er. Zumwinkel hatte im vergangenen Jahr angekündigt, der Konzern werde neu über die Zukunft der Postbank nachdenken - und damit Übernahmephantasien befeuert.

"Wir befinden uns aktuell in einer Beratungsphase", betonte nun sein Nachfolger. Geld aus einem Verkauf der Postbank für Zukäufe benötigt Appel offenbar nicht: Der Fokus der Post liege auf organischem Wachstum und nicht auf Akquisitionen.

Zumwinkel wurde vor den Aktionären sowohl von Appel als auch von Aufsichtsratschef Jürgen Weber gewürdigt. Er bedauere die Umstände, die zum vorzeitigen Ausscheiden Zumwinkels geführt hätten, sagte Weber.

Dieser habe in 18 Jahren einen Weltkonzern aufgebaut. Appel sagte, das Management könne auf ein "hervorragendes Fundament" aufbauen, das Zumwinkel gelegt habe.

© sueddeutsche.de//Reuters/hgn/tob
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