Exportwirtschaft China:Wie Duisburg von einer Zugverbindung nach China profitiert

160225 ZHENGZHOU Feb 25 2016 The 200th cargo train bound for Germany s Hamburg is seen at

In einem Güterbahnhof in der Millionenstadt Chengdu im Westen von China macht sich ein Zug auf den Weg nach Deutschland.

(Foto: imago/Xinhua)

Schneller als Containerschiffe, günstiger als Luftfracht: Güterzüge bringen Waren aus China nach Deutschland. Genauer: nach Duisburg zum Rheinhafen.

Von Michael Bauchmüller

Was Duisburg mit der Seidenstraße zu tun hat, das erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Im frühen Mittelalter war die Seidenstraße der bedeutendste Handelsweg zwischen Fernost und Europa, gehandelt wurde nicht allein chinesische Seide, sondern auch Glas, Porzellan, Edelmetalle. Die Karawanen waren schon unterwegs, da gab es Duisburg noch gar nicht.

Die eine Seidenstraße ist längst Geschichte, die andere soll Duisburg nun einen zweiten Frühling verschaffen. Die Waren sind nicht mehr mit Karawanen unterwegs, sondern rattern auf Schienen. "Für uns ist das ein großartiger Treiber", sagt Erich Staake, Chef der Duisburger Hafen AG. "Und wir wollen das Geschäft in den nächsten Jahren verdoppeln." Das Geschäft, das sind derzeit 20 Züge pro Woche. Beladen im Westen Chinas, entladen in Duisburg - und umgekehrt.

Dieser Tage hat Staake die chinesischen Visitenkarten eingepackt, er ist unterwegs in Sachen Seidenstraße. In der 14-Millionen-Stadt Chengdu haben die Duisburger einen Stand auf der "Westmesse" aufgebaut, in Hongkong hat er diesen Freitag einen Vertrag mit der riesigen Staatsholding China Merchant Group unterschrieben, es geht um den Ausbau von Verteilzentren entlang der neuen Seidenstraßen-Route, etwa in Weißrussland. Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist dabei. "Es geht hier mehr als nur um Züge", sagt der deutsche Minister. "Wir werden Zeugen einer neuen Landbrücke."

"Wir werden Zeugen einer neuen Landbrücke", sagt Sigmar Gabriel

Für den Duisburger Hafen ist China eine Art neues Lebenselixier. Der Rheinhafen gilt immer noch als größter Binnenhafen Europas, nach eigenem Bekunden sogar der ganzen Welt. Doch die Zeiten, in denen dort Erze und Kohle angelandet und Stahl verladen wurden, sind lange vorüber. "Logistikdrehscheibe" sei der Hafen nun, sagt Staake, ein Verteilzentrum für Europa. Da kommen die Güter aus China gerade recht.

Das freilich beruht auf Gegenseitigkeit. Der Exportboom der chinesischen Wirtschaft hing lange Zeit vor allem an der Containerschifffahrt. Unter den zehn größten Häfen der Welt sind sechs in China, Shanghai ist mit Abstand der größte. Entsprechend entwickelte sich die Exportwirtschaft in Küstennähe am besten. Das chinesische Hinterland dagegen kämpfte mit seiner abgelegenen Lage. Waren mussten umständlich zu den Seehäfen transportiert werden, sollten sie günstig nach Europa gebracht werden. Für den Westen Chinas, in dem auch Chengdu liegt, ist die Eisenbahn nun eine echte Perspektive.

Das sieht auch Chinas Staatspräsident Xi Jinping so. Seit Jahren propagiert er die Idee einer "neuen Seidenstraße": In seinem Bestreben, einen Handelskorridor vom Pazifik bis Europa zu bilden, spielt sie eine zentrale Rolle. Mit Milliarden subventioniert Peking deshalb auch die neue Route mit der Eisenbahn. In Urumchi, der Hauptstadt der Uiguren-Provinz Xinjiang im äußersten Westen des Landes, entsteht derzeit eine Art chinesisches Pendant zu Duisburg: der größte Umschlagplatz im Hinterland der Volksrepublik. Hier sollen dereinst die Waren aus den Weiten Chinas anlanden, um dort die Züge nach Europa zusammenzustellen. Umgekehrt sollen Waren aus Europa von dort verteilt werden.

Die schnellsten Züge schaffen die Strecke in zwölf Tagen

Nicht nur der Duisburger Hafen profitiert davon. Auch die Deutsche Bahn ist dick im Geschäft, für BMW etwa transportiert sie Autoteile die 11 000 Kilometer aus Deutschland ins nordchinesische Shenyang - einmal quer durch Sibirien. Seit Oktober fährt einmal die Woche ein Zug von Hamburg ins ostchinesische Hefei. Die Post-Tochter DHL fährt mehrere Tagen die Woche aus China nach Hamburg, ins polnische Lodz und auch nach Duisburg. 41 Container passen auf so einen Zug.

Die Seidenstraße

Sie ist eine der ältesten Handelsrouten der Welt, verbindet über verschiedene Wege China und Zentralasien mit Europa.

Für den Hafenchef Staake ist das alles erst der Anfang. "Der größte Treiber ist das E-Commerce", sagt er. Der Einkauf per Internet revolutioniere die Logistik insgesamt, aber auch den Handel mit China. "Die Luftfracht kostet dreimal so viel als der Transport auf der Schiene", sagt Staake. "Und die Seefracht dauert doppelt so lang." Schnell freilich geht es auch auf der Schiene nicht: Die schnellsten Züge bewältigen die Strecke in zwölf Tagen, aus dem Osten Chinas brauchen sie auch schon einmal knapp drei Wochen.

Und ein weiteres Problem stellt sich: Zwar fahren die Züge voll von China nach Europa - aber meist nur halb so voll zurück. "Wir müssen noch daran arbeiten, die Züge besser auszulasten", sagt Staake. Etwa mit Pharmazeutika für den chinesischen Markt, transportiert in gekühlten Containern. Den Pillen ist schließlich egal, wie lang sie für die Seidenstraße brauchen.

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