Logistik:Post erwartet weiteren Paket-Boom

DHL-Paketzustellung in der Vorweihnachtszeit in Freiburg. *** DHL parcel delivery in Freiburg during the pre-Christmas

Zusteller in Freiburg: Die Deutsche Post DHL transportiert so viele Pakete wie nie.

(Foto: Winfried Rothermel/Imago)

Der Konzern will seine Rekorde von 2020 über­treffen. Aktionäre sollen doppelt profitieren.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Der Welthandel könnte sich vom wirtschaftlichen Einbruch infolge der Corona-Pandemie erholen, zugleich dürfte die Zahl der Paketsendungen hoch bleiben: Mit dieser doppelten Hoffnung blickt die Deutsche Post in die Zukunft. Der Logistikkonzern prognostiziert für das laufende Jahr einen mindestens 15 Prozent höheren Betriebsgewinn als im vergangenen Jahr - und für die Zeit bis 2023 einen weiteren Anstieg. "Diesem Konzern geht es ausgezeichnet", tönt Vorstandschef Frank Appel.

Tatsächlich ist die Post eines der wenigen Unternehmen, das Rekordergebnisse für das allgemeine Krisenjahr 2020 meldet. Zwar hat der Konzern weniger Werbebriefe befördert, auch das Geschäft mit Lagerlogistik - etwa für die Autoindustrie - kam zeitweise zum Erliegen. Doch hat die Post mit ihrer Marke DHL deutlich mehr Pakete transportiert, da viele Menschen Waren online bestellen, solange Läden gar nicht oder nur unter Auflagen öffnen dürfen. Auch für internationale Fracht konnte der Konzern höhere Preise durchsetzen, weil viele Frachtkapazitäten in den Bäuchen von Passagierflugzeugen weggefallen sind. Unter dem Strich meldet die Post so einen Jahresgewinn von drei Milliarden Euro, das sind etwa 14 Prozent mehr als noch 2019.

Aktionäre sollen davon gleich in doppelter Hinsicht profitieren. Zum einen sollen sie in diesem Jahr eine Dividende von 1,35 Euro je Anteilsschein erhalten, das sind 20 Cent mehr als zuletzt. Und weil der Konzern im vorigen Jahr außerordentlich viele liquide Mittel angehäuft hat, will er in den kommenden Monaten auch noch eigene Aktien zurückkaufen. "Das Volumen beträgt bis zu eine Milliarde Euro", kündigt Finanzvorstand Melanie Kreis an.

Wenn ein Unternehmen eigene Aktien kauft und einzieht, verteilen sich sein Wert und seine Gewinne danach auf weniger übrige Anteilsscheine. Dies macht die einzelne Aktie tendenziell wertvoller. Andererseits gilt es zuweilen als Ausdruck von Einfallslosigkeit, wenn Firmen Aktien zurückkaufen; denn sie können dieses Geld nicht in die Zukunft investieren. "Wir sehen das nicht so", entgegnet Finanzchefin Kreis. So wolle die Post ihre Investitionen in diesem Jahr auf etwa 3,4 Milliarden Euro steigern; das Geld soll beispielsweise in Paketzentren oder die Flugzeugflotte des internationalen Expressgeschäfts fließen.

Der wachsende Konzern schaffe auch zusätzliche Arbeitsplätze, betont Vorstandschef Appel. Demnach beschäftigen Post und DHL mittlerweile etwa 570 000 Menschen weltweit, das sind 20 000 mehr als noch vor einem Jahr.

An der Börse hat der Konzern seit Wochenbeginn knapp zehn Prozent an Wert gewonnen. Mit 44,65 Euro beendete die Post-Aktie am Dienstag den Handel so teuer wie noch nie zuvor.

© SZ vom 10.03.2021
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