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Logistik:Gütertransport unter der Erde

Die Schweizer Regierung erlaubt den Bau eines Tunnels zwischen St. Gallen und Genf. Damit sollen Städte und Logistik­zentren verbunden werden, um kleinteilige Waren zu befördern.

Ein ehrgeiziges Schweizer Projekt für eine unterirdische Güterbahn zwischen den großen Städten hat eine wichtige Hürde genommen. Die Regierung hat am Mittwoch beschlossen, per Gesetz die rechtlichen Grundlagen für eine Umsetzung zu schaffen, teilte sie mit. Das Projekt soll "Cargo sous terrain" (CST) heißen, auf Deutsch: unterirdischer Güterverkehr. Das Ziel ist, die Schweiz zwischen den Städten St. Gallen unweit des Bodensees und Genf rund 400 Kilometer weiter südwestlich zu untertunneln.

Städte und Logistikzentren sollen verbunden werden, um kleinteilige Güter zu befördern. Die Vehikel würden digital gesteuert und rund um die Uhr fahren, heißt es. Die Kosten werden auf 30 Milliarden Franken geschätzt. Das sind umgerechnet rund 28 Milliarden Euro.

Für drei Milliarden Franken soll zuerst eine Teststrecke entstehen

"Cargo sous terrain wird mehrheitlich als zukunftsorientierte und umweltfreundliche Ergänzung des Schienen- und Straßengüterverkehrs beurteilt", teilte das Kabinett, in der Schweiz der Bundesrat, mit. Die Projektleitung begrüßte das. "Das Gesetz ist die Voraussetzung für die Realisierung des zukunftsweisenden Gesamtlogistiksystems", teilte sie mit. "Es schafft klare Bedingungen für Bau und Betrieb der Anlagen und die nötige Rechtssicherheit für die Investoren."

Hinter der Aktiengesellschaft CST stehen eine Reihe Schweizer Firmen. Zu ihnen gehören unter anderem die Schweizer Bahn SBB, die Post und der Telekomkonzern Swisscom, die Supermarktketten Coop und Migros, dazu kommen Logistikunternehmen, Versicherungen und Energieunternehmen.

Wenn das Gesetz in Kraft sei, würden die ersten 100 Millionen Franken für die Baubewilligungsphase des ersten rund 70 Kilometer langen Teilstücks bei Zürich fließen, teilte CST mit. Eine Eröffnung der Teilstrecke werde für 2031 angepeilt. Die Projektleitung schätzt die Kosten dafür auf drei Milliarden Franken. Durch die Verlagerung des Transports unter die Erde könnten damit 40 000 Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr eingespart werden, etwa so viel wie die Emissionen eines Ortes mit 7500 Einwohnern.

© SZ vom 30.01.2020 / dpa

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