Der Elektroflugzeug-Hersteller Lilium Aerospace hat am Freitag erneut Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen gab in einer Mitteilung bekannt, dass die angekündigten Finanzmittel der Investoren nicht rechtzeitig bereitgestellt worden seien. Lilium zufolge ist eine erfolgreiche Restrukturierung nun „sehr unwahrscheinlich.“ Daher werde der Betrieb eingestellt. Gespräche über alternative Lösungen würden allerdings fortgeführt.
Die Entscheidung bedeutet sehr wahrscheinlich das endgültige Aus für den Versuch, den senkrecht startenden und landenden elektrischen Lilium Jet zur Marktreife zu bringen. Lilium hatte seit der Gründung vor zehn Jahren von Investoren rund 1,4 Milliarden Euro eingesammelt, hatte aber seit etwa 2023 erkennbar mehr Mühe, weitere Finanzierungsrunden zu organisieren. Auch Versuche, staatliche Kreditbürgschaften zu bekommen, scheiterten am Ende im Haushaltsausschuss des Bundestages. Die ursprüngliche Firma Lilium meldete daher im Oktober 2024 Insolvenz an.
Sieben Personen elektrisch transportieren - das war das Ziel
An Weihnachten jedoch schien Lilium gerettet, nachdem sich eine Gruppe von Investoren dazu bereit erklärt hatte, rund 200 Millionen Euro in die Firma zu investieren. Sie gründeten mit Lilium Aerospace eine Nachfolgegesellschaft, die auch die Arbeitsverträge und Gehälter der 750 verbliebenen Mitarbeiter übernahm. Allerdings blieb der Großteil des versprochenen Geldes aus. Vor allem konnte der slovakische Unternehmer Marian Bocek, dem unter anderem der Batteriehersteller InoBat gehört, bis Freitag trotz vieler Beteuerungen nicht zahlen.
Die Lilium-Mitarbeiter hatten bereits seit knapp zwei Wochen die Arbeit mehr oder weniger eingestellt und waren seither von Geschäftsführer Severin Tatarczyk mehrfach vertröstet worden. Tatarczyk hatte parallel versucht, einen Überbrückungskredit zu organisieren, um Gehälter und ausstehende Rechnungen von Lieferanten bezahlen zu können.
Der Lilium Jet sollte sieben Personen auf regionalen Strecken rein elektrisch transportieren. Mehrere Prototypen waren zuletzt im Bau. Der Erstflug war für 2024 geplant, wurde aber wegen der Insolvenz verschoben. Das technische Konzept galt als äußerst anspruchsvoll, viele Experten begegneten dem Projekt anfangs mit großer Skepsis. Lilium holte sich im Oktober mit Klaus Roewe einen erfahrenen Airbus-Manager an die Spitze, um das Flugzeug fertig zu bauen und die Produktion zu starten.
