Iurie Popescu, 34, ist gerade fertig mit der Arbeit. Er hat Cola, Kekse, und Lebkuchen auf den Tisch gestellt und holt seinen Arbeitsvertrag. Es ist ein zweiseitiger Vordruck aus dem Internet. Auf Seite eins ist sein Bruttoverdienst handschriftlich eingetragen: 1600 Euro, auf Seite zwei seine wöchentliche Arbeitszeit: 40 Stunden. Auf dem Papier sieht es so aus, als würde der Paketzusteller etwas mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro die Stunde verdienen - wenn da nicht ein Haken wäre: Der Rumäne arbeitet nicht 40 Stunden. Er arbeitet fast doppelt so viel.
Niedrige Löhne:Wie Paketdienste ihre Mitarbeiter ausbeuten
Auch bei den Paketboten gibt es große Unterschiede: Manche werden nach Tarif bezahlt, andere arbeiten 75 Stunden die Woche für einen mickrigen Lohn.
(Foto: Stephan Rumpf)- Paketboten vieler Anbieter klagen über schlechte Löhne und etliche Überstunden.
- Tausende sind betroffen - auch, weil sie in undurchsichtigen Beschäftigungsverhältnissen bei Subunternehmern der Lieferdienste hängen.
- Der Anbieter Hermes gibt der "Null-Versandkosten-Mentalität" der Kunden eine Mitschuld.
Von Michael Kläsgen und Thomas Öchsner
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