Libor-Skandal:Ohne Abschlusszeugnis

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Die deutsche Aufsicht will doch keinen Endbericht zur Zinsmanipulation vorlegen - schon der Zwischenbericht hatte es in sich.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Rekordabschreibungen, Milliardenstrafen, Kursverfall: Keine Frage, die Deutsche Bank scheint derzeit in einer Abwärtsspirale zu sein, aus der es nur schwer ein Entrinnen gibt. Zumindest in einem Punkt aber ist aktuell keine Steigerung mehr zu erwarten: So will die deutsche Finanzaufsicht Bafin Insidern zufolge nun doch auf einen umfangreichen Schlussbericht zur Libor-Affäre verzichten. Ursprünglich war dieser Bericht zur Manipulation des Zinssatzes für Januar erwartet worden. Jetzt aber will man es in Bonn bei dem Dossier belassen, das die Bafin Mitte Mai 2015 verfasst hatte.

Dieser von Bafin-Aufseherin Frauke Menke verfasste Bericht hatte es in sich, er enthält die Namen von mehreren Vorständen und Mitgliedern des erweiterten Vorstands. Weil aber dieser Bericht außerdem über die US-Wirtschaftszeitung Wall Street Journal fast in voller Länge an die Öffentlichkeit gelangt war, sahen die Vorstände ihre Reputation massiv beschädigt. Ein Manager soll sich sogar mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde an die Bafin und an Menke gewandt haben; andere Bankvorstände hatten rechtliche Schritte zumindest erwogen.

Zwar hatte die Bafin keine Beweise aufgeführt, dass die Manager direkt an den Manipulationen beteiligt waren, die Behörde warf ihnen aber vor, die Händler der Bank nicht ausreichend kontrolliert und die Affäre nicht gut genug aufgearbeitet zu haben. Basis für ihre Erkenntnisse war zudem ein 700-seitiger Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Sie hatte die Affäre im Auftrag der Bafin untersucht.

Inzwischen haben die Manager - höchstwahrscheinlich auch auf Druck der Aufsicht - die Bank verlassen beziehungsweise ihre Ämter abgegeben. Mit der neuen Führung scheint die Aufsicht insgesamt zufrieden zu sein. Einige der Ex-Vorstände jedoch hatten womöglich gehofft, die Bafin verfasse noch ein versöhnliches Schlussdokument ohne die Namen. Diesen Gefallen aber macht ihnen die Behörde nicht. Der Aufsichtsrat der Bank lässt inzwischen - pflichtgemäß - untersuchen, ob er Ex-Manager der Bank in Regress nehmen kann. Bafin und Deutsche Bank wollten sich nicht dazu äußern.

© SZ vom 26.01.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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