Libor-Skandal der Deutschen Bank:Libor hoch und runter parliert

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Dieser Experte für Zinspapiere soll eng mit der zentralen Figur dieser Affäre kooperiert haben, mit Philippe Moryoussef. Der Marokkaner, der in Rabat auf eine französische Schule ging und lange bei Société Générale in Paris arbeitete, war zwischen 2005 und 2007 Händler bei der Barclays Bank in London.

Mit zur "French Connection" sollen beispielsweise auch Michael Zrihen (Crédit Agricole) und Didier Sander (HSBC) gehört haben. Ein kleiner Kreis also parlierte den Libor und den Euribor hoch oder runter. Je nachdem, wie es in die eigenen Spekulationsgeschäfte passte. Diese Zinssätze der Banken geben Leitwerte vor.

Allein am Libor hängen Finanzprodukte im Wert von rund 500 Billionen Dollar. Wird dieser Zins zu hoch angegeben, dann sind etwa Kreditnehmer geschädigt, die eigentlich weniger hätten zahlen müssen. Wird dagegen der Zins künstlich nach unten gedrückt, leiden Geldanleger. Sie kassieren weniger, als normal gewesen wäre, etwa für Tagesgeld.

In einem der Dokumente der amerikanischen Ermittler wird Moryoussef als "Trader E", als Händler E bezeichnet. Dieser E hat demnach im Oktober 2006 vier Banken gebeten, den Zins für den Euribor als zu hoch anzugeben. So etwas lohnte sich. Und viele andere zahlten drauf.

Schon 2008 erste Indizien

Es gibt bereits eine Sammelklage, der sich das Geldinstitut des Privatbankiers Friedrich von Metzler angeschlossen hat; er ist am Finanzplatz Frankfurt eine Größe. Auch Goldman Sachs in New York fühlt sich geschädigt und erwägt eine Klage.

Bereits im April 2008 hatte ein Barclays-Mann gegenüber der US-Notenbank erklärt: "Wir wissen, dass wir keinen ehrlichen Libor angeben." Danach liefen langsam Ermittlungen an. Auch die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin begann 2010 mit Untersuchungen, immer schön abgestimmt mit den Behörden in London (FSA) und in den USA (CFTC). Doch richtig in Schwung kam in die Sache erst mit großformatigen Schuldbekenntnissen in London.

Barclays räumte vor einigen Wochen Zinsvergehen ein, zahlte eine halbe Milliarde Dollar Strafe und schickte Vorstandschef Bob Diamond von dannen. Nun, mit diesen Geständnissen, packten die Bafin-Aufseher ihre schärfste Waffe aus: Sonderprüfung. Mitarbeiter der Bundesbank untersuchen derzeit im Bafin-Auftrag in der Deutschen Bank die Spuren der Geldbande.

Der Bericht der Kontrolleure wird im August sehnlichst von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet, in dessen Ressort die Bafin beheimatet ist. Schäuble weiß um die Brisanz des Themas. Kollegin Ilse Aigner, Verbraucherministerin, erklärt im Handelsblatt, die Deutsche Bank müsse "reinen Tisch machen, und zwar schnell". Solche Emotionalausbrüche haben derzeit Konjunktur. Und Schäuble fürchtet weitere populistische Attacken des SPD-Chefs Sigmar Gabriel, der im Finanzgeschäft aufräumen will. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl 2013 möchte auch der Finanzminister Tatkraft signalisieren.

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