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Lexikon der Geldanlage - Teil 8:Wechselkurse lenken den Wohlstand

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Forint in Euro: Wechselstube an der österreichisch-ungarischen Grenze.

(Foto: Matt Cardy/Getty Images)

Der Wert des Euro zu anderen Währungen beeinflusst die Konjunktur. Meist ist die Kaufkraft sogar wichtiger als der nominale Lohn, der auf dem Gehaltszettel steht. Umso relevanter ist der Wechselkurs.

Wie viel bekomme ich für einen Euro? Die Frage der Kaufkraft des Geldes treibt die Menschen um. Meist ist dies sogar wichtiger als der nominale Lohn, der auf dem Gehaltszettel steht. Mit entscheidend dafür, wie viele Waren man sich leisten kann, ist der Wechselkurs der eigenen Währung im Verhältnis zu anderen. Zum einen werden viele Güter ganz oder teilweise außerhalb der Eurozone hergestellt. Andererseits kommt gerade in Europa ein Gutteil der Rohstoffe aus anderen Teilen der Welt, in denen eben nicht der Euro, sondern anderes Geld die Preise bestimmt. Wichtigstes Beispiel dafür ist der Ölpreis. Er wird auf dem Weltmarkt zum Großteil in US-Dollar gehandelt. Fällt der Euro im Verhältnis zum Dollar wie in den vergangenen Monaten, wird Rohöl teurer für die Europäer - und umgekehrt.

Wie Steuern und Lohnkosten gehen auch die Energiekosten in die Preiskalkulation jedes Unternehmers für seine Produkte ein. Und je teurer die Herstellung der eigenen Waren und Dienstleistungen, desto weniger wettbewerbsfähig ist eine Firma dann wieder im Vergleich zur Konkurrenz.

Der Wechselkurs spielt aber nicht nur auf der Einkaufs- oder Importseite eine Rolle, sondern, und das vor allem in exportstarken Nationen wie Deutschland, auf der Verkaufsseite. Wird ein Produkt, das in der Eurozone hergestellt wird, im Vergleich zu anderen Wettbewerbern, zu teuer für die Kunden, wird es in einer globalisierten Welt schnell zum Ladenhüter. Besonders schwierig wird es für die Firmen, wenn die Preise für ihre Rohstoffe anziehen und dann auch noch der Eurokurs steigt.

Einen Mittelweg zu finden, der sowohl die Konsumenten befriedigt, die tendenziell an einer starken Währung interessiert sind, um Vieles damit kaufen zu können, als auch die Unternehmen, die den Euro im Interesse ihrer Konkurrenzfähigkeit oft lieber etwas schwächer hätten, ist Aufgabe der Zentralbank. Sie kann eine Währung durch Interventionskäufe verknappen oder durch Verkäufe den Kurs einer Devise drücken. In Währungskrisen wie aktuell in der Türkei reichen solche Eingriffe womöglich nicht mal aus. So hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan inzwischen auch seine Bürger dazu aufgefordert, die türkische Lira zu stützen, indem sie ihre gesparten Devisen, meist Dollarbestände, eintauschen gegen heimisches Geld.