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Leuchtmittelhersteller Osram:Börsenglück für einen Tag

Osram

Erleichtert - und mit Glocke: Osram-Chef Wolfgang Dehen an der Frankfurter Börse 

(Foto: AFP)

Osram ist an der Börse. Vorstandsvorsitzender Dehen und der Leuchtmittelhersteller lassen sich einen Tag lang in Frankfurt feiern. Doch nun beginnt der Börsenalltag - und der Erfolg lässt sich erst in einigen Monaten beurteilen.

Ein wenig nervös sei er schon, hatte Wolfgang Dehen vor dem Gang an die Börse gesagt. Nun aber hat alles geklappt. Der Vorstandsvorsitzende der Osram Licht AG läutete mit einer großen Glocke und einem Lachen auf dem Gesicht am Montag in Frankfurt den Börsenhandel ein. Nicht nur Dehen, auch Osram war Star für einen Tag. Denn die Firma aus München wurde am Montag als 31. Mitglied des deutschen Aktienindex (Dax) geführt - aus rechnerischen Gründen. Vom Dienstag an ist es damit aber schon wieder vorbei. Dann beginnt der Börsenalltag.

Der erste Kurs der neuen Aktie (Kürzel OSR) wurde in Frankfurt mit 24 Euro bestimmt, niedriger als erwartet - und danach ging es auch noch leicht bergab. Damit lag der Unternehmenswert fast ein Viertel unter der Bewertung aus einem Gutachten, das Siemens vor der Abspaltung seines Tochterunternehmens vorgelegt hatte. Osram ist damit an der Börse 2,5 Milliarden Euro wert - das liegt nur knapp über dem, mit dem die Tochter in den Büchern von Siemens stand. Das Gutachten, das Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser anfertigen ließ, war zuvor von 3,2 Milliarden Euro ausgegangen. Ursprünglich wollte Siemens Osram vor zwei Jahren verkaufen, damals war von einem noch höheren Wert die Rede gewesen.

"Das ist eine Momentaufnahme", sagte Osram-Finanzvorstand Klaus Patzak am Montag dazu und fügte an: "Das ist nur der erste Schritt auf einer langen Reise. Der Erfolg lässt sich erst in einigen Monaten beurteilen. Wenn wir gut arbeiten, werden sich die Dinge von selbst bewegen." Möglicherweise geht es mit dem Kurs vorerst weiter bergab. Denn viele institutionelle Investoren, die auf große Werte aus dem Dax spezialisiert sind, werden die Aktie voraussichtlich verkaufen.

Dehen und Patzak waren zwar in den vergangenen zwei Wochen bei 400 Fonds und Banken auf Werbetour für die neue Osram-Aktie. Ob die jedoch im gleichen Maße zugreifen, ist nicht ausgemacht. Bis zum Mittag wurde etwa ein Zehntel der 84 Millionen frei handelbaren Osram-Papiere umgesetzt, Aktien für nahezu 200 Millionen Euro wurden gehandelt. Ein Aktienhändler von Lang & Schwarz sagte: "Der Kurssturz ist ausgeblieben." Es gebe nun auch keinen Grund, warum es in den kommenden Tagen dazu kommen sollte.

Für die Abspaltung von Osram gibt es in jüngerer Zeit zwei prominente Beispiele: Das eine ist absolut geglückt, das andere krachend schief gegangen. Im Jahr 2004 hatte sich der Bayer-Konzern entschieden, sich von seinen Aktivitäten in der ungeliebten Spezialchemie zu trennen. Diese wurde in einer neuen Gesellschaft gebündelt, die den Kunstnamen Lanxess erhielt und ebenfalls an die Bayer-Aktionäre abgegeben wurde. Die Aktie dümpelte zunächst vor sich hin, nahm dann aber einen ungeahnten Aufschwung. Seit 2012 ist Lanxess Mitglied im Dax - neben dem ehemaligen Mutterkonzern Bayer.

Ganz anders erging es der Hypo-Vereinsbank - die gliederte einst ihre Aktivitäten in der gewerblichen Immobilienfinanzierung und eine ganze Reihe fauler Kreditengagements in eine neuen Bank mit dem Namen Hypo Real Estate (HRE) aus und brachte diese ebenfalls an die Börse. Auch diese Aktie steig nach einer gewissen Zeit an - doch der damalige Bankchef Georg Funke verspekulierte sich. Er ging immer riskantere Geschäfte ein, kaufte zu - am Ende stand die Bank vor dem Zusammenbruch und wurde nur mit vielen Hilfsmilliarden der Bundesregierung gerettet.

So schlimm wird es bei Osram natürlich nicht werden. Aber die Lichtfirma steckt in einem tiefen Umbau. Im abgelaufenen Geschäftsjahr gab es einen Verlust von fast 380 Millionen Euro. Nun ist eine "schwarze Null" angepeilt, bei einem allenfalls leichten Umsatzwachstum. Elf Werke werden geschlossen, 8000 Stellen fallen bis 2014 weg. Jahrzehntelang hatte das Unternehmen gut vom Verkauf herkömmlicher Glühlampen gelebt, nun muss in die neue LED-Technologie investiert werden. Unternehmenschef Dehen verspricht sich dabei ohne Siemens nun mehr unternehmerische Freiheit: "Das heutige Listing eröffnet große Chancen für die künftige Entwicklung."