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Letzter deutscher Skihersteller Völkl:"Ein Preiß" hat die Firma gerettet

Als Franz Völkl in den Achtzigerjahren begann, Skier nach Amerika zu verkaufen, lief das Geschäft zunächst sehr gut. Irgendwann war ein Importeur zu wenig, die Familie versuchte, Franz zu überzeugen, dass es mehr Leute für die Vermarktung brauchte als nur den einen Freund in den USA. Aber Franz wollte dem Bekannten das Geschäft nicht wegnehmen. "Der Franz ist ein sozialer Mensch, vielleicht war er zu sozial", sagt Bruder Erwin. So war es wohl auch in den Neunzigerjahren, als die Firma Völkl kurz vor der Pleite stand, es ging um 400 Arbeitsplätze in Straubing, das 45.000 Einwohner hat. Nach mehreren milden Wintern mit schlechten Einnahmen musste Franz Völkl sein Unternehmen 1992 an Investoren verkaufen.

Es war 1996, als ein Mann aus Recklinghausen nach Straubing kam. "Der Preiß", wie Erwin heute sagt, "der hat die Firma gerettet." Der "Preuße" heißt Christoph Bronder, 51, und ist seit 16 Jahren Chef von Völkl. Er erinnert sich noch gut: "1996 standen wir hier in Straubing und fragten uns: Was machen wir jetzt? Völkl war international nicht angesagt, das Image war angestaubt, die Produktion veraltet." Mittlerweile gehört Völkl zum amerikanischen Großkonzern Jarden, wie auch die Marke Campingaz und Nuk, ein Hersteller von Trinkflaschen für Babys und Kleinkinder.

So gut Erwin Völkl heute über Bronder spricht, so schwierig war es 2005. Bronder drohte, die Produktion nach China zu verlagern, wenn die Belegschaft nicht auf Gehalt verzichtet. Dort stellte das Unternehmen bereits Skier für Kinder und Snowboards her. Um 20 Prozent wollte Bronder die Kosten senken. Anderthalb Jahre stritten Management und Gewerkschaft. Bronder setzte sich durch. Noch immer arbeiten die Angestellten 39,5 statt 38 Stunden in der Woche und verzichten auf Lohn - die Firma hat einen Haustarifvertrag mit den Mitarbeitern geschlossen.

Einfacher wird es nicht. Außer, in China wird Skifahren zur Volkssportart

Kann man es sich heute also noch leisten, in Deutschland zu produzieren? Ja, sagt Bronder, Völkl sei profitabel. Genaue Zahlen nennt er nicht. Der wichtigste Treiber für das Geschäft ist ohnehin einer, den der Manager nicht beeinflussen kann: der Schnee. In der vergangenen Saison gab es für die Firma viel zu wenig davon. "Der gesamte Markt ist zweistellig zurückgegangen, es hat einfach viel zu spät geschneit", sagt Bronder. Dazu kommt, dass sich Skifahrer immer häufiger rechtfertigen müssen für das, was sie tun, für Skipisten mit Schneekanonen, die der Umwelt schaden. Zumindest denken viele darüber nach. Auch das ist einer der Gründe, warum immer weniger Skier gekauft werden. In den Achtzigerjahren gingen weltweit noch mehr als zehn Millionen Paar Skier pro Saison über den Ladentisch, zurzeit sind es gut drei Millionen.

Christoph Bronder gibt sich trotzdem gelassen. Es ist eben eine wetterfühlige Branche, in der er da arbeitet. In dieser Saison sah es anfangs gut aus: In Bayern schneite es bereits im Oktober. Und jetzt? 20 Grad plus an Weihnachten. An solchen Tagen reicht es auch nicht, dass es Pullover gibt, die "Franz" und "Erwin" heißen. Wer kauft bei diesem milden Winter Skier? Kein Wunder, dass immer mehr Menschen für die paar Tage, an denen sie Ski fahren, die Bretter ausleihen.

Sie haben es nicht leicht bei der Firma Völkl. Und einfacher wird es nicht, außer die Chinesen erklärten Skifahren plötzlich zur Volkssportart. Immerhin: "Die Skilehrer-Ausbildung läuft dort auf Hochtouren", sagt Erwin Völkl. Ansonsten gibt es in Straubing die Hoffnung, dass es bald wieder kälter wird und der Schnee die Menschen auf die Piste lockt - mit Brettern, die für viele noch immer die Welt bedeuten.

© SZ vom 27.12.2012/olkl
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