Leopard-Panzer für Griechenland Schmiergeld wurde als "Nützliche Aufwendungen" bezeichnet

Zuvor, als der Verdacht bekannt geworden war, hatte Krauss-Maffei Wegmann noch erklärt, man habe weder Kenntnis von Schmiergeldzahlungen, noch habe man solche "geleistet oder veranlasst". So ähnlich äußert sich auch die Rheinmetall AG, die über eine Tochterfirma das Luftabwehrsystem Asrad nach Griechenland verkauft hat. Auch Rheinmetall hat sich eines griechischen Vermittlers bedient, eines Ex-Militärs. Auch der hat viele Millionen Euro bekommen. Der Ex-Militär hat inzwischen gestanden, mit einem Teil des Geldes alte Kollegen und Amtsträger bestochen zu haben, damit die Rheinmetall-Tochter den Zuschlag für Asrad bekomme.

Konzerne aus der ganzen Welt haben früher oft Berater eingeschaltet, um kräftig zu bestechen. Auch deutsche Unternehmen wie Siemens, Daimler, MAN und andere. Damals wurde in der Industrie das Schmiergeld noch mit NA umschrieben, mit "Nützlichen Aufwendungen".

Ein früherer Beschäftigter von Krauss-Maffei Wegmann berichtet, intern sei davon die Rede gewesen, dass man bei dem Panzerdeal 0,5 Prozent des Auftragsvolumens für NA einkalkulieren müsse und dass dies über den griechischen Vermittler abgewickelt werde. Das wären gut acht Millionen Euro gewesen. Ob das zutrifft, sollen die Ermittlungen ergeben.

Berner Staatsanwälte verhörten griechischen Ex-Verteidigungsminister

Die Athener Staatsanwaltschaft will mit der Hilfe der Münchner Kollegen auch herausfinden, auf welchen Wegen der Panzerkonzern KMW seinen Athener Berater bezahlt hat. Solche Geschäfte sind oft über die Schweiz abgewickelt worden, und auch dort wird in solchen Fällen inzwischen ermittelt. Berner Staatsanwälte waren vergangene Woche in Athen und vernahmen dort unter anderem Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos, der wegen Geldwäsche sowie Korruption bei Rüstungseinkäufen in Deutschland und Russland eine lange Haftstrafe absitzt.

Die Berner Strafverfolger gehen dem Verdacht von Geldwäsche in der Schweiz nach, gegen drei Geschäftsleute läuft bereits ein Verfahren. In den Schweizer Justizakten sind diverse Konten bei prominenten Banken aufgelistet, über die Schmiergeld geflossen sein soll, auch bei deutschen Rüstungsexporten nach Griechenland. Um den Leopard 2 geht es bisher nicht.

Vieles ist noch unklar in diesem Fall. Ob überhaupt bestochen wurde, und falls ja, wie. Die Staatsanwälte in Athen und München sind erst am Anfang. Eine Durchsuchung könnte zu wertvollen Erkenntnissen führen, auch nach so langer Zeit und obwohl KMW nach früheren Ermittlungen im vergangenen Jahrzehnt längst gewarnt wäre. Ein Fahnder sagt, im Computer-Zeitalter könne man Spuren nicht mehr vollständig verwischen. Bei Krauss-Maffei Wegmann ist das ohnehin nicht zu befürchten. Der Konzern will kooperieren.