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Leo Kirch ist tot:Seine Aufbauarbeit besteht fort

Seine große Niederlage, der Zusammenbruch seines Imperiums 2002, bahnte sich mit dem Einstieg ins Bezahlfernsehen an. Ende der achtziger Jahre hatte Kirch es als neues Geschäftsfeld entdeckt. Doch selbst mit Hilfe des US-Medienunternehmers Rupert Murdoch, den er 1996 ins Boot holte, konnte er den Sender DF1, aus dem später Premiere wurde und zuletzt Sky, nicht etablieren. Auch von teuren und exklusiven Sportübertragungen ließen sich die Zuschauer kaum überzeugen, für Fernsehen zu bezahlen.

Die Vermarktungsrechte an der Formel 1, die sich Kirch 2001 rund 1,75 Milliarden Euro kosten ließ, waren schließlich zu viel. Als Anfang des neuen Jahrtausends die New-Economy-Blase platzte und die gesamte Wirtschaft in die Krise stürzte, gingen Kirch und seinem 10.000-Mitarbeiter-Konzern das Geld aus. Kirch, der strenggläubige Katholik, fasste wenig später lapidar zusammen: "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen."

Doch gleichgültig nahm er den Verlust seines Lebenswerks keineswegs hin. Er kämpfte, arbeitete diziplinert weiter, jeden Tag, bis zuletzt. Sein geplantes Comeback aber ging schief. Den Versuch, 2008 im Auftrag der Deutschen Fußball Liga die Übertragungsrechte der Bundesliga an Fernsehsender zu versteigern, stoppte das Kartellamt. Kirch zog sich zurück auf seine Beteiligung am Medienkonzern Constantin - einem jener zahlreichen Unternehmen, in denen das Erbe des Patriarchen weiterlebt.

In den vergangenen Jahren, Kirch war längst schwer gezeichnet von Diabetes und Herzproblemen, trieb ihn eine Mission weiter an: Gerechtigkeit. Seine Rehabilitierung als Unternehmer. Wieder und wieder verklagte er die Deutsche Bank und deren einstigen Vorstandssprecher Rolf Breuer. Der hatte in einem Interview Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Kirch-Konzerns geäußert - worin der Patriarch die Ursache für das Scheitern seines Lebenswerks sah.

Erst vor wenigen Wochen trat er noch einmal vor Gericht auf, um in Anwesenheit Breuers seinen Standpunkt zu vertreten - mit kaum mehr hörbarer Stimme. Wie das Urteil ausgeht, wird Leo Kirch nun nicht mehr erleben. Er starb am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in München.

Ende März hat unser Redakteur Hans von der Hagen Leo Kirch bei seinem letzten öffentlichen Auftritt erlebt. Seine Eindrücke lesen Sie hier.