Zu wenig Zucker Lemonaid soll nicht mehr Limonade heißen

Zu gesund für Limonade? Lemonaid

(Foto: Lea Aring/Lemonaid)
  • Lemonaid bekam Post vom Hamburger Amt für Verbraucherschutz: Die Lemonaid-Getränke enthielten zu wenig Zucker, um noch Limonade zu heißen.
  • Der Hersteller der fair gehandelten Bio-Limonade solle sein Produkt entweder anders nennen oder mehr Zucker hinein geben.
Von Sven Lüüs

Es ist ein großes Versprechen, das Lemonaid seinen Kunden gibt: Seine Limonade sei anders, sagt der Hersteller - bio, fair gehandelt, und sie enthalte weniger Zucker als vergleichbare Getränke. Dieser Punkt könnte nun allerdings zum Problem werden: Lemonaid darf sein bekanntestes Getränk der Geschmacksrichtung Limette wohl bald nicht mehr Limonade nennen. Denn es gibt Richtlinien, die vorschreiben, dass in Limonade zum Beispiel Aromastoffe enthalten sein müssen; außerdem muss eine Limonade mindestens sieben Prozent Zucker enthalten.

Diese Kriterien erfüllt Lemonaid-Limette nicht: Das Getränk des Hamburger Herstellers ist nicht mit Aromastoffen versetzt; außerdem enthält es nur zwischen fünf und sechs Prozent Zucker. Also zu wenig, stellte das Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt in Hamburg-Mitte fest und schrieb dem Hersteller einen Brief. Zuerst hatte der Stern darüber berichtet.

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Das Kabinett soll die Pläne der Ernährungsministerin für eine Selbstverpflichtung besprechen. Verbraucherschützern geht das Vorhaben nicht weit genug.

In dem Schreiben habe das Amt zwei Vorschläge unterbreitet, sagt das Unternehmen: Der erste sei, dass Lemonaid sein Getränk umbenennt. Das würde den Hersteller hart treffen. Denn die Mehrweg-Flaschen, die Lemonaid verwendet, tragen keine Etiketten, sie sind bedruckt. Unter anderem mit Bezeichnungen wie "Limettenlimonade", die die Verbraucherschützer stören. Das bedeutet, dass Lemonaid seine Flaschen nicht mehr wiederverwenden könnte, sondern neue produzieren müsste.

Den zweiten Vorschlag des Amtes bezeichnet Marketing-Chef Torben Bendig als "ein bisschen bizarr": Lemonaid könne sein Getränk in Zukunft mit mehr Zucker produzieren, um den für Limonade vorgesehenen Mindestanteil von sieben Prozent zu erreichen. Lemonaid verkauft seine Limonaden seit zehn Jahren mit unverändertem Rezept, vor allem an Kunden in deutschen Großstädten.

Der Hersteller will versuchen, das Amt zu überzeugen

"Es ist schon ironisch, dass alle davon sprechen, Lebensmittel und Getränke mit weniger Zucker herzustellen, wir das schon tun, und nun unserem Produkt mehr Zucker zusetzen sollen, damit wir es weiterhin als Limonade verkaufen dürfen", sagt Lemonaid-Mitgründer Felix Langguth. Eigentlich wolle Bundesernährungsministerin Julia Klöckner den Zuckergehalt von Lebensmitteln ja senken, sagt sein Marketing-Chef Bendig, weil Zucker verschiedene Krankheiten und Übergewicht verursache. Klöckner will, dass Lebensmittelhersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte freiwillig reduzieren. Für alle Getränkearten peilt das Ministerium 15 Prozent weniger Zucker bis zum Jahr 2025 an.

Lemonaid versucht jetzt, das Hamburger Verbraucherschutz-Amt davon zu überzeugen, von seinen Forderungen abzusehen. Der erste Versuch sei bereits gescheitert, sagt das Unternehmen. Das Amt habe auf seiner Forderung beharrt. Marketing-Chef Bendig will nun in einem zweiten Schreiben nochmal seinen Standpunkt erklären und hofft, dass der Verbraucherschutz dann einlenkt. Bei dem Amt hieß es am Mittwoch, man könne zu den Details des Fall derzeit nichts sagen. Eine Sprecherin betonte aber, sie sei sicher, "dass sich da eine Lösung finden lässt." Außerdem könne dieser Fall "ein Anlass sein zu überlegen, ob die Richtlinen eventuell angepasst werden müssen."

Wenn es im Fall Lemonaid allerdings zu keiner Einigung kommt, dürfen die Lemonaid-Getränke zwar weiterhin den Markennamen tragen, obwohl er stark an den Begriff Limonade erinnert. Weniger prominent platziert auf der Flasche müsste dann aber der Begriff "Erfrischungsgetränk" verwendet werden.

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