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Leitzinssenkung:Draghis Plan

ECB President Mario Draghi Rates Conference

EZB-Chef Mario Draghi überraschte am Donnerstag mit einer Zinssenkung.

(Foto: Bloomberg)

Der Leitzins war schon fast bei null - doch EZB-Chef Draghi geht noch tiefer. Warum nur? Und was sind das für Wertpapiere, die die EZB kaufen will?

  • Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag den Leitzins auf 0,05 Prozent gesenkt. Dazu hier mehr.
  • Außerdem will die EZB Wertpapiere kaufen.

Der Leitzins war doch schon so tief - warum geht EZB-Chef Mario Draghi noch tiefer?

Bei dieser Frage kam auch Draghi am Donnerstag ins Schwitzen. Schließlich hatte der EZB-Chef selbst nach der letzten Zinssenkung im Juni gesagt, dass nun das untere Ende der Zinssenkungen erreicht sei - damals bei 0,15 Prozent. Draghi sagte nun, es sei eine technische Entscheidung gewesen. Jetzt - bei 0,05 Prozent - sei allen klar, dass die EZB nicht mehr weiter runter gehen könne. Tatsächlich gilt bislang ein Leitzins von null Prozent oder darunter als ausgeschlossen.

Draghi möchte ab Oktober Wertpapiere kaufen, und zwar ABS und "Covered Bonds". Was sind das für Papiere?

Asset Backed Securities (ABS) und Covered Bonds (Pfandbriefe) sind besicherte Wertpapiere, in denen Einzelkredite zu einem Paket gebündelt werden. Besichert heißt: Der von der Bank beispielsweise vergebene Immobilienkredit ist mit dem Grundstück unterlegt. ABS sind im Unterschied zu Pfandbriefen strukturiert, es gibt also unterschiedliche Tranchen mit verschiedenen Risiken. Diese Verpackung der ABS brachte den Papieren einen schlechten Ruf ein. Sie gelten als Mitauslöser der Finanzkrise. Investoren blickten vor 2007 nicht mehr durch, wo die Risiken in diesen verschachtelten Konstruktionen lagen.

Wie gefährlich sind ABS?

Draghi sagt: Das Problem waren damals vor allem amerikanische ABS. Das stimmt. Die Ausfallraten der europäischen ABS waren deutlich geringer. Nur 1,5 Prozent der 2007 im Markt befindlichen ABS-Papiere sind bis 2013 ausgefallen - in den USA betrug die Ausfallrate dagegen stolze 18,4 Prozent, so Zahlen der Ratingagentur Standard & Poor's. Draghi sagte auch, die EZB werde einfache und sichere Papiere kaufen. Details dazu folgen im Oktober.

Wie viel Geld will die EZB in den Kreislauf bringen?

Der Gesamtmarkt in Europa von in Frage kommenden Pfandbriefen und ABS beläuft sich auf rund 2,7 Billionen Euro. Wie viel Draghi kaufen möchte, ließ er offen. Es wird aber wohl mindestens ein dreistelliger Milliardenbetrag sein. Denn Draghi sagte, die Käufe würden die EZB-Bilanz "substanziell" vergrößern. Die EZB-Bilanz beläuft sich aktuell auf rund zwei Billionen Euro.

Ist Geld wirklich so billig wie nie?

Ja, Geld war noch nie in der europäischen Geschichte so günstig zu haben. Europas Banken könnten Unternehmen Super-Konditionen bieten. In Deutschland geschieht das, in Italien oder Spanien aber weniger. Das liegt zum einen daran, dass die Banken mehr Eigenkapital als früher vorhalten müssen, was vor allem die Institute in den Euro-Peripheriestaaten belastet. Darüber hinaus ist die Nachfrage der Unternehmen nach Kredit in vielen Staaten gering, weil die Wirtschaft nicht wächst und die Aussichten schlecht sind. Ein Teufelskreis. Dazu kommt bislang, dass Banken das billige EZB-Geld dazu verwenden, Staatsanleihen der eigenen Regierung zu kaufen. Ein sicheres und lukratives Geschäft. Die EZB will deshalb die Kredite der Banken an Privatpersonen und Unternehmen aufkaufen - über die ABS-Konstruktion. So haben Banken sofort nach dem Kreditgeschäft Kapital für neue Kredite. Das ist der Plan.

© SZ.de/bbr/dd

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