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Leiharbeit:Viele Arbeitslose landen in Zeitarbeitsfirmen

Trotz neuer Zielvorgaben werden Arbeitslose oft nur in Leiharbeit vermittelt. Der Nachteil: Viele dieser Jobs enden schon nach wenigen Monaten.

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), hält Leiharbeit im Prinzip für eine gute Sache. "Wir haben damit Menschen in Arbeit gebracht, die lange ohne Job waren", sagt er. Weise sieht aber auch Schattenseiten, weil die Arbeit in Zeitarbeitsfirmen, die Arbeitnehmer an andere Unternehmen verleihen, oft nur ein schmaler Steg hin zu einer regulären Beschäftigung ist. "Wir müssen davon weg, dass unsere Kunden dort rein- und rausgehen, und zwischendurch auf Hartz IV angewiesen sind." Die Jobvermittler hätten "zu oft zehn Menschen in Zeitarbeit vermittelt statt zwei in einen Handwerkbetrieb oder ein anderes kleines oder mittelständisches Unternehmen". Doch das zu ändern, ist offenbar alles andere als leicht.

Nachdem Weise 2013 die auf den kurzfristigen Erfolg bedachte Arbeitsweise als "Fehlentwicklung" kritisierte, korrigierte die Behörde ihre Zielvorgaben. Seit 2014 wird es innerhalb des internen Zielsystems höher bewertet, wenn ein vermittelter früherer Arbeitsloser mindestens sechs Monate auf seiner neuen Stelle bleibt. Bei Zeitarbeitsfirmen ist dies oft nicht der Fall, weil etwa die Hälfte dieser Beschäftigungsverhältnisse nach weniger als drei Monaten wieder endet. Trotzdem landet nach wie vor ein großer Teil der von den Jobcentern und Arbeitsagenturen betreuten Arbeitslosen bei Zeitarbeitsfirmen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Danach vermittelte die BA von Dezember 2014 bis November 2015 etwa 293 000 Arbeitslose durch einen eigenen Vorschlag in den regulären Arbeitsmarkt. Ein Drittel (32,6 Prozent) oder 96 000 erhielten so einen Job als Leiharbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma. Verglichen mit den Vorjahren ist der Anteil damit sogar leicht gestiegen. 2014 lag er mit gut 80 000 in Leiharbeit vermittelten Personen bei 30,7 Prozent.

Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke, die die Anfrage stellte, hält dies für einen Misserfolg. "Eine Trendwende bei der Vermittlung in Leiharbeit ist nicht zu sehen. Die angekündigten Korrekturen waren nur Lippenbekenntnisse." Nach wie vor klappe die nachhaltige Vermittlung in dauerhafte Arbeit nicht so wie gewünscht.

Das Arbeitsministerium hält entgegen: Das neue Zielsystem der Bundesagentur für Arbeit lasse bereits "erste Erfolge erkennen". Die BA habe "einen in den letzten beiden Jahren kontinuierlich steigenden Anteil nachhaltiger Integrationen". Müller-Gemmeke hält es jedoch für nicht akzeptabel, dass "gut 30 Prozent der Vermittlungen in die Leiharbeit gehen, obwohl diese gerade einmal zwei Prozent der Gesamtbeschäftigung ausmacht". Dies dürfte aber auch damit zusammenhängen, dass Vermittler für Arbeitslose oft keine anderen Stellen finden. So heißt es bei der Bundesagentur: Da die Nachfrage in der Zeitarbeitsbranche groß sei, "ergibt sich zwangsläufig ein signifikanter Anteil am Vermittlungsgeschehen".