Wolfgang Franz:

Basel II revidieren

Wolfganz Franz ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Seit März steht er außerdem dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage vor.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers findet in Pittsburgh ein Finanzgipfel der G-20-Staaten statt. Über die aktuelle Krise hinaus muss dort die Reform der Finanzmarktarchitektur beherzt weitergeführt werden, um die Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen. Dabei gilt es, vier Probleme in den Griff zu bekommen. Erstens müssen die systemischen Risiken im Finanzsektor vermindert werden. Im Hinblick auf die Systemrelevanz einzelner Banken beispielsweise auf Grund ihrer schieren Größe muss die Eigenkapitalregulierung entsprechend angepasst werden. Dringend erforderlich ist ein Restrukturierungsregime, das Insolvenzverfahren selbst bei systemisch wichtigen Banken ermöglicht.

Zweitens muss die Prozyklizität der Eigenkapitalunterlegung reduziert werden. Eine Konsequenz ist, dass die bisherigen Eigenkapitalvorschriften, die unter dem Namen "Basel II" bekannt wurden, zu revidieren sind.

Drittens muss die Corporate Governance im Finanzsystem gewährleisten, dass eine effektive Risikokontrolle vorhanden ist, unter anderem durch eine entsprechende Ausgestaltung der Vergütungssysteme. Viertens müssen die Aufsichtskompetenzen auf internationaler, zumindest auf europäischer Ebene weiter zu einer einheitlichen Bankenaufsicht, einschließlich der Ratingagenturen, ausgebaut werden."

Foto: AP (aus der SZ vom 15.09.2009/mel)

15. September 2009, 10:482009-09-15 10:48:00 ©