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Lebensversicherungen:Rückschlag für Riester-Verträge

Die Lebensversicherer sollen ab 2021 nur noch 0,5 Prozent Zinsen garantieren, schlägt die Branche selbst vor. Das würde das Ende für Riester-Verträge bedeuten.

Schlechte Nachrichten für künftige Kunden der Lebensversicherer: Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), der Zusammenschluss der Versicherungsmathematiker, tritt dafür ein, den Garantiezins für neue Verträge auf 0,5 Prozent zu senken. Der Satz wird von der Regierung auf Vorschlag der DAV festgesetzt. Kommt es zur Änderung ab Januar 2021, können die meisten Versicherer keine Riester-Verträge mehr anbieten.

"Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass sich das zum Teil negative Zinsniveau der vergangenen Monate in näherer Zukunft spürbar verbessern wird", sagt der DAV-Vorstandsvorsitzende Guido Bader, im Hauptberuf Vorstand bei der Stuttgarter Lebensversicherung.

Der Garantiezins ist die jährliche Verzinsung, die Lebensversicherer Kunden beim Vertragsabschluss höchstens zusagen dürfen - für die gesamte Laufzeit des Vertrages, die oft 30 oder 40 Jahre beträgt. In den Neunzigern lag der Zins bei bis zu vier Prozent, in den vergangenen Jahren musste er aufgrund der stark gesunkenen Zinsen am Markt kontinuierlich reduziert werden.

Seit 2017 erhalten neue Lebensversicherungskunden nur noch eine garantierte Verzinsung von 0,9 Prozent. Hinzu kommt noch die Beteiligung an den Überschüssen der Versicherer, doch sie sind ebenfalls immer mickriger geworden. Die Höhe des Garantiezinses ist nur für neue Verträge relevant, für Kunden mit einem gut verzinsten Altvertrag ändert sich nichts. Auch für die Inhaber fondsgebundener Policen spielt der Garantiezins keine Rolle.

Über den Zins entscheidet der Bundesfinanzminister, er folgt in der Regel den Empfehlungen der Aktuare. Experten hatten es für möglich gehalten, dass sie einen noch niedrigeren Satz vorschlagen, beispielsweise 0,25 Prozent.

Doch selbst bei 0,5 Prozent dürfte die Branche kaum verhindern können, was Versicherungsmanager und Experten schon länger befürchten: Die meisten Lebensversicherer müssten sich aus dem Verkauf der staatlich geförderten Riester-Verträge verabschieden. Ein derart niedriger Garantiezins wirkt sich auf alle Formen der Lebensversicherung negativ aus - bei den staatlich geförderten Verträgen ist er aber besonders fatal.

Das Problem sind die hohen Vertriebs- und Verwaltungskosten der Versicherer. Der Garantiezins wirkt nämlich nicht auf die gesamten Einzahlungen des Kunden, sondern nur auf den Sparanteil, also den Betrag, der nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten übrig bleibt.

Wenn die Lebensversicherer künftig nur noch 0,5 Prozent zusagen dürfen, können sie nicht mehr garantieren, dass die Kunden das eingezahlte Geld zurückerhalten. Das ist aber bei Riester-Verträgen gesetzlich vorgeschrieben. Die Mechanik wirkt ganz unabhängig davon, welche Rendite die Versicherer tatsächlich erzielen. Nur Versicherer mit sehr niedrigen Kosten könnten dann noch Riester anbieten.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft setzt sich deshalb dafür ein, dass die gesetzlichen Regelungen für die Riester-Rente geändert werden. Er plädierte am Dienstag dafür, den garantierten Beitragserhalt aufzulockern - das soll den Versicherern mehr Luft bei der Kapitalanlage verschaffen und die Rendite erhöhen. Das Hauptproblem bleiben aber die hohen Kosten.