Altersvorsorge:Die meisten Lebensversicherungen haben sich verzockt

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Jetzt zeigt sich: Mit der Zinswette haben sich die meisten Lebensversicherer verzockt. Denn ein großer Teil dieser Verträge ist weiterhin in Kraft, die Versicherer müssen jedes Jahr vier Prozent gutschreiben. Aber die niedrigen Zinsen machen es zunehmend schwieriger für die Unternehmen, die vier Prozent auch zu verdienen.

Seit 2011 müssen Lebensversicherer auf Anordnung des Finanzministeriums deshalb die hohen Garantien aus der Vergangenheit mit besonderen Rückstellungen absichern. So will Berlin erreichen, dass die Anbieter auch künftig ihre Zusagen erfüllen können. 2015 waren die Gesellschaften gezwungen, diese besondere Reserve mit zehn Milliarden Euro zu stärken, 2016 werden es wohl 12 Milliarden Euro sein.

Das trifft die Lebensversicherer und erst Recht ihre Kunden. Denn die Absicherung für die hohen Garantien wird von allen Kunden aufgebracht, auch von denen, deren Verträge mit deutlich niedrigeren Garantien von 2,25 Prozent oder 1,25 Prozent versehen sind. Sie erhalten weniger Rendite.

Selbst die Anbieter haben keine Lust mehr auf klassische Lebensversicherungen

Nicht nur den Kunden, auch vielen Anbietern ist die Lust an der klassischen Lebensversicherung vergangen. Denn für die klassischen Verträge müssen die Gesellschaften nach neuesten Vorschriften sehr viel Eigenkapital vorhalten. Dazu kommt: Die Zinsgarantien ziehen heute kaum, mit 1,25 Prozent oder demnächst 0,75 Prozent bis ein Prozent wirken sie nicht sehr interessant. Stattdessen gelten Aktien und andere Wertpapiere als attraktiv.

Die großen Versicherer wie Allianz, Axa, Ergo, Generali und zunehmend auch kleinere Gesellschaften bieten deshalb aktuell vor allem fondsgebundene Versicherungen an, bei denen sie höchstens den Kapitalerhalt garantieren. Das Kapitalanlagerisiko - das bei den klassischen Policen vom Versicherer getragen wurde - hat jetzt der Kunde. Bei den fondsgebundenen Verträgen und anderen so genannten kapitalmarktnahen Produkten spielt der Garantiezins aber keine Rolle.

Deshalb ist die praktische Bedeutung der geplanten Absenkung begrenzt. Nur bei Riester-Verträgen und der betrieblichen Altersversorgung ist die klassische Lebensversicherung noch relevant. Doch der gesamte Markt wird den psychologischen Effekt spüren, ob klassische Policen angeboten werden oder nicht.

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