Lebensversicherung:Allianz künftig ohne Beitragsgarantie

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FILE PHOTO: Flags with the logo of Allianz SE, Europe's biggest insurer, are pictured in Munich

Der Versicherer spricht von "attraktiven Renditechancen" für die Kunden.

(Foto: Michaela Rehle/Reuters)

Die Allianz rückt vom Konzept der Garantie für die eingezahlten Beiträge ab. Das heißt aber auch: Kunden können bei einer Lebensversicherung bis zu 40 Prozent des eingezahlten Geldes verlieren.

Von Friederike Krieger, Köln

Dammbruch bei der Allianz: Wer von 2021 an Altersvorsorge-Verträge bei dem Versicherer abschließt, dem garantiert der Marktführer in der Lebensversicherung nicht mehr den Erhalt der eingezahlten Beiträge. Bei der 2013 eingeführten Police namens Perspektive, bei der die Allianz zwar keine feste Verzinsung versprach, wohl aber den Beitragserhalt, sinkt das Garantieniveau pauschal auf 90 Prozent. Bei den anderen Angeboten müssen die Kunden zwischen einer Garantie von 90, 80 und 60 Prozent wählen. 100 Prozent soll es nur noch dort geben, wo es gesetzlich vorgeschrieben ist, wie bei der staatlich geförderten Riester-Rente und bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV).

Bei Verbraucherschützern kommt der Schritt nicht gut an. Vor allem die hohen Kosten seien schuld, dass die Allianz und andere Versicherer keine 100-prozentige Beitragsgarantie mehr anbieten könnten, kritisiert Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. "Das ist eine Bankrotterklärung", sagt er. "Statt die Kosten zu reduzieren, senkt die Allianz die Garantie und verkauft das als großen Wurf."

Der Versicherer verweist dagegen auf die "attraktiven Renditechancen" für die Kunden. Die reduzierte Beitragsgarantie soll angesichts von Null- und Negativzinsen eine risikoreichere Kapitalanlage ermöglichen - etwa in Aktien, Infrastruktur und erneuerbare Energien sowie Unternehmens- und Schwellenländeranleihen. Das heißt aber auch: Kunden können zwischen 10 und 40 Prozent des eingezahlten Geldes verlieren, und das bei einem Vertrag, der lange als langweilig, aber sicher galt.

Von den geringeren Garantien profitiert der Versicherer: Für diese Policen muss der Versicherer weniger Eigenkapital unter dem Aufsichtsregime Solvency II vorhalten. Zudem fällt es der Versicherungsbranche angesichts der niedrigen Zinsen zunehmend schwer, den Beitragserhalt kalkulatorisch noch darzustellen - weshalb sie auch auf eine Reform der Riester-Rente und der bAV drängt. Der Gesetzgeber soll auch hier die Beitragserhaltsgarantie abschaffen und Zusagen von weniger als 100 Prozent ermöglichen, fordern die Anbieter.

Wie viele andere Versicherer hat sich die Allianz bereits in den vergangenen Jahren nach und nach von der klassischen Lebensversicherung mit Garantieverzinsung verabschiedet. "Viele Veränderungen hatten wir bereits angestoßen", sagt Allianz-Vorstand Andreas Wimmer. Klassische Lebensversicherungen habe die Allianz bereits in diesem Jahr nicht mehr aktiv im Angebot. "Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter." Er ist zuversichtlich, dass die Kunden sich mit den neuen Garantien anfreunden werden. "Wir erleben jetzt schon, dass sie sehr offen dafür sind", sagt Wimmer. Bei den Fondspolicen, bei denen auch bisher schon geringere Garantieniveaus möglich waren, hätten sich vor fünf Jahren noch drei Viertel der Kunden für eine volle Beitragsgarantie entschieden. 2020 war es nur noch ein Viertel.

Zudem kündigte die Allianz an, ihre Pensionskasse von 2022 an komplett für das Neugeschäft zu schließen. Sie ist mit 816 000 Beitragszahlern eine der größten offenen Pensionskassen in Deutschland. Bisher war nur bekannt, dass die Allianz die Presse-Pensionskasse nicht mehr aktiv betreiben will. Auch die Pensionskasse ist für den Versicherer äußerst kapitalintensiv. Während Allianz-Vorstand Wimmer beteuert, dass es keine negativen Konsequenzen für die Kunden geben wird, fürchtet Verbraucherschützer Kleinlein eine schlechtere Behandlung, etwa in Form einer geringeren Überschussbeteiligung.

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