bedeckt München 20°
vgwortpixel

Lebensmittelhandel:"Das sind ja keine kriminellen Einbrecher"

Supermarkt in Bremen erlaubt 'Containern'

Ein Bremer Lebensmittelhändler will etwas gegen die Müllverschwendung tun und geht damit selbst Risiken ein.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Ein Bremer Supermarkt erlaubt das Containern - und gibt den Hungrigen obendrein noch Tipps.

Legal oder verboten? Wochenlang gab es Diskussionen über die Entkriminalisierung des Containerns, bis die Bundesjustizministerkonferenz sich vergangenen Donnerstag dagegen entschied. Es bleibt also untersagt, noch essbare Lebensmittel aus den Mülltonnen von Supermärkten zu holen. Cornelius Strangemann, Geschäftsführer des Bremer Supermarkts Lestra, hat sich daraufhin entschlossen, Containern auf seinem Gelände offiziell zu erlauben. Darüber hinaus soll es einfacher und sicherer werden. Er erklärt, dass potenzielle Containerer keine Angst vor einer Anzeige haben sollten: "Das sind ja keine kriminellen Einbrecher", sagt Strangemann. Ihm zufolge kamen schon vor der Erlaubnis immer wieder Menschen nachts zum Containern auf das Supermarktgelände - und wurden geduldet. Einmal habe er Studierende dabei "erwischt": "Erst wollten sie wegrennen, doch ich habe sie zum Bleiben aufgefordert und ihnen noch ein Tor zu anderen Containern aufgeschlossen." Nun könne aber auch tagsüber containert werden.

Auf den Mülltonnen lässt Strangemann Hinweisschilder anbringen mit Tipps, welche Lebensmittel noch genießbar sind und welche besser liegen bleiben sollten. Mittelfristig sollen noch brauchbare Lebensmittel aber gar nicht erst in den Tonnen landen, sondern laut Strangemann auf einem Rollwagen stehen bleiben, sodass sie einfacher mitgenommen werden können.

Der Lestra-Markt nimmt das Risiko von den Containerern, geht jedoch selbst eines ein: "Es könnte sein, dass wir haften müssen, wenn jemand gesundheitliche Schäden davonträgt. Wir versuchen es einfach mal und hoffen, dass wir keine Probleme bekommen", sagt Strangemann. Er wünscht sich von der Politik mehr Rechtssicherheit, damit er nicht für "die gute Sache" verklagt werden könne. Außerdem hofft er, dass andere Händler nachziehen und das Containern ebenfalls erlauben.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels, in dem unter anderem Edeka und Rewe organisiert sind, verweist auf den Beschluss der Justizministerkonferenz. Es müssten andere Lösungen gefunden werden, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Auch der Lestra-Markt hat schon vor der Container-Erlaubnis weitere Maßnahmen ergriffen. So darf beispielsweise das Personal abgelaufene Lebensmittel kostenlos mitnehmen, andere werden gespendet oder gehen an eine Tierfutter-Produktion. Strangemann hält fest: "Containern ist nur das letzte Mittel zur Rettung." Vieles in den Tonnen sei tatsächlich nicht mehr für den Verzehr geeignet.