Lebensmittel-Skandale in China:Erst auf Gift testen, dann essen

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Industriechemie in Babynahrung, Hormone und Antiobiotika in Fleischprodukten: Skandale erschüttern Chinas Lebensmittelindustrie. Die Menschen sind verunsichert. Forscher wollen nun mit einen umfassenden Gift-Test für den Hausgebrauch Profit aus der Angst schlagen.

Von Kai Thomas

Nahrungsmittelpackungen in China sind mitunter gefährliche Wundertüten. In Milchpulvern fanden sich schon Industriechemikalien, Fleisch war mit Antibiotika und Hormonen verseucht: Nach Jahren mit zahlreichen Skandalen ist die Angst vor Lebensmittelvergiftungen im Land gewachsen. Verbraucher wünschen sich mehr Transparenz. Forscher der Technischen Universität Tianjin wollen sie ihnen verschaffen, in der eigenen Küche: Konsumenten könnten ihr Essen künftig in Minuten mit einem Gifttest für zuhause durchchecken, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Wissenschaftler aus Nordchina haben demnach ein Teststäbchen entwickelt, das mehr als 60 verdächtige Chemikalien entdeckt. Das Spezialpapier wechselt die Farbe, sobald sich in der Nahrung gefährliche Bakterien oder chemische Rückstände befinden. Ab wann und zu welchem Preis der Test zu haben ist, gaben die Entwickler der Universität allerdings nicht bekannt. Mit den Lebensmitteltests für den Hausgebrauch, die derzeit erhältlich sind, lassen sich jeweils nur einzelne Giftstoffe oder Bakterien nachweisen. Für umfassende Überprüfungen müssen Proben in Labore.

Der Ruf der chinesischen Lebensmittelindustrie ist lädiert. Vor allem mit Industriechemikalien verseuchte Milch machte bereits mehrfach Schlagzeilen. 2008 starben sechs Kinder wegen gestreckten Milchpulvers, etwa 300.000 Kinder erkrankten. Zwei Jahre später kamen drei Säuglinge aus dem selben Grund ums Leben, über 6200 Babys zeigten Symptome einer Vergiftung mit dem Streckmittel Melamin. Im selben Jahr entdeckten Inspektoren zudem pestizidverseuchte Brechbohnen und Speiseöl, das aus recycelten Abfällen hergestellt worden war.

Auch die Qualität des Fleisches aus Chinas Ställen gilt als problematisch. Allein zwischen 1998 und 2007 wurden 18 Fälle von Anabolikamissbrauch in der Schweinezucht bekannt. Fast die Hälfte aller im Land hergestellten Antibiotika - rund 200.000 Tonnen - werden in der Tiermast eingesetzt. Einheimische Hersteller, aber auch internationale Ketten sind davon betroffen. 2012 verkauften beispielsweise chinesische Restaurants der Fastfoodkette KFC Hähnchenfleisch mit zu hohen Antibiotikawerten.

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