Lebensmittel: Klonfleisch:Sorge um Exporte verhindert Kennzeichnung

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Verbraucherschützer üben heftige Kritik. Die Kennzeichnung geklonter Produkte sei "nicht zuletzt am Widerstand der deutschen Regierung gescheitert", sagt Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Minister Aigner und Brüderle würden den Verbrauchern zumuten, dass ihnen Lebensmittel von geklonten Tieren und deren Nachfahren ohne Hinweis und gegen ihren Willen auf den Teller gelegt würden.

Grund sei die Angst vor einem Handelsstreit und einer damit verbundenen Gefährdung der deutschen Fleischexporte - und so hätten die EU-Länder dem Widerstand der USA als Exporteur von Zuchtmaterial und Klonfleisch nachgegeben. Die Kennzeichnung war passé.

Sichere Exportmärkte für europäische Agrarüberschüsse seien "offenbar wichtiger als die elementaren Transparenzrechte der Verbraucher", kritisiert Wolfschmidt. Europas Bürger würden gleich mehrfach betrogen. Zuerst werde mit ihren Steuergeldern sowohl die Produktion von Agrarüberschüssen als auch der Export der preislich nicht wettbewerbsfähigen EU-Agrarprodukte subventioniert - und damit diese Exportgeschäfte nicht in Gefahr geraten, würden ihnen dann Klonprodukte untergejubelt.

Die Bundesregierung weist die Vorwürfe zurück. Die Minister Aigner und Brüderle hätten eine abgestimmte Position vertreten, heißt es. Deutschland plädiere nach wie vor für ein Verbot des Klonens zum Zwecke der Lebensmittelproduktion. Auch die Vermarktung solcher Produkte müsse verboten werden.

Dass Deutschland am Ende die Vorschläge des Parlaments blockiert habe, liege daran, dass Berlin vor der Kennzeichnungspflicht der Produkte von Nachfahren geklonter Tiere ein System einführen wolle, mit dem die Herkunft der Tiere zurückverfolgt werden kann. Es mache erst dann Sinn, den Produkten ein Label zu geben, wenn man sicher wisse, woher sie kommen. Zugleich müssten Auswirkungen auf den Welthandel geprüft werden.

Die Europäische Kommission ist allerdings der Meinung, dass es sehr aufwendig sei, die Herkunft von geklonten Tieren und deren Nachfahren zu ermitteln. Die Behörde bestätigte die deutschen Zweifel, wonach europäische Klonfleisch-Regeln gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstoßen könnten. Jetzt gelten einfach die alten Regeln weiter. In zwei Jahren soll wieder beraten werden.

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