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Coronavirus:Junge Menschen haben häufiger gehamstert

Coronavirus - Supermarkt

Jagd auf den Bohneneintopf: So sahen die Supermarktregale im März häufiger aus.

(Foto: dpa)

Die Kriegsgeneration bunkert Konserven? Das ist wohl nur ein Klischee. Einer Umfrage zufolge haben Jüngere viel häufiger Lebensmittel und Arzneien gehamstert. Auch, um für die Familie vorzusorgen.

Als die ersten Berichte von leeren Konserven- und Toilettenpapierregalen die Runde machten, vermuteten viele, dass vor allem ältere Menschen diese Regale leergeräumt haben. Die Kriegsgeneration eben, die Hunger und Entbehrung im Gegensatz zu den meisten jungen Menschen in Deutschland kennengelernt hat. Doch offenbar ist es genau andersherum: Vor allem junge Leute haben Arzneien, Lebensmittel und Hygieneartikel gehamstert, zeigt eine Umfrage des Marktforschers Nielsen im Auftrag des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), an der rund 1000 Menschen teilnahmen.

43 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gaben demnach an, Arzneien über die in normalen Zeiten beschaffte Menge hinaus gekauft zu haben. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 34 Prozent. Dagegen hamsterten nur 15 Prozent der 50- bis 59-Jährigen sowie neun Prozent der über 60-Jährigen Medikamente. Damit lagen die Älteren deutlich unter dem Durchschnitt von 23 Prozent.

Dass gerade jüngere Menschen auf Vorrat kauften, zeigte sich aber nicht nur bei Arzneien. So gaben 53 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, Produkte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Seife oder Toilettenpapier über das gewöhnliche Maß beschafft zu haben und 51 Prozent der 30- bis 39-Jährigen. Das waren weit mehr als in der Gruppe zwischen 50 und 60 und bei den über 60-jährigen (24 bzw. 19 Prozent). Große Haushalte mit drei bis vier sowie über fünf Personen hamsterten demnach besonders, ebenso solche mit einem hohen Bildungsgrad. Haushalte mit wenig Einkommen hielten sich zurück.

Viele geben an, Arzneien ohne dringende Beschwerden gekauft zu haben

Eine Ursache für das Einkaufsverhalten sei, dass Eltern auch für ihre Kinder Vorräte angelegt hätten, so die Marktforscher. Das könne erklären, warum junge Menschen bei Lebensmitteln und Arzneien verstärkt zuschlugen. Sie fühlten sich verantwortlich für andere Personen im Haushalt - etwa, wenn diese an Krankheiten litten.

Aus Sorge um die Folgen des Coronavirus hatten sich Verbraucher zuletzt mit Toilettenpapier, Seife, Nudeln und Hefe eingedeckt - in Drogerien und Supermärkten blieben Regale mangels Nachschub leer. Um Ostern normalisierte sich das Einkaufsverhalten dem Statistischen Bundesamt zufolge wieder, auch weil der Bedarf vieler Haushalte gedeckt war. Auch Arzneien gegen Erkältungen, Fieber oder Schmerzen waren aus Angst vor der Pandemie bei den Verbrauchern stark gefragt.

Zugleich mehrten sich Lieferengpässe bei Medikamenten, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Apotheker betonten wiederholt, es gebe bei rezeptfreien Arzneien oft Alternativen, wenn ein Mittel gerade knapp sei. In der Umfrage gaben viele Menschen auch an, Arzneien ohne dringende Beschwerden gekauft zu haben. Rund drei Viertel der Befragten, die Arzneien auf Vorrat erwarben, beschafften sich demnach rezeptfreie Medikamente für Krankheiten, die nicht akut vorlagen. Mehr als 80 Prozent nannten als Grund die Angst vor Versorgungsengpässen. Nur ein Drittel handelte auf Rat von ihrem Arzt oder Apotheker.

© SZ.de/dpa/jps/jerb
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