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Lebenslauf:Mut zur Lücke

Das Leben ist selten geradlinig. Dann darf auch der Lebenslauf Lücken haben. Wie man mit Brüchen umgeht.

Von Marie Steffens

Ein halbes Jahr Pause nach dem Studium, eine längere Krankheit oder Arbeitslosigkeit: Das Leben verläuft nicht immer geradlinig. Dennoch denken viele Bewerber, dass ihr Lebenslauf keine Ungereimtheiten und Lücken aufweisen darf. Es ist einer von vielen Gründen, warum viele ihren Lebenslauf mit mehr oder weniger harmlosen Lügen verschönern. Dabei raten Experten, mit den Brüchen lieber offen umzugehen.

"Lücken im Lebenslauf dürfen heutzutage zu einem Berufsleben dazugehören. Bewerber müssen nicht krampfhaft versuchen, sie zu füllen - geschweige denn sich hierfür zu rechtfertigen", findet Bernd Slaghuis. Der Karrierecoach hat oft mit Bewerbern zu tun, die sich für leere Zwischenräume im Lebenslauf schämen und sie kaschieren wollen. Dabei sei es seiner Erfahrung nach viel wichtiger zu seinem Lauf des Lebens zu stehen und einem neuen Arbeitgeber gegenüber Klarheit zu schaffen. "Mit einer Lüge im Lebenslauf in eine vertrauensvolle neue Arbeitsbeziehung zu starten, ist keine gute Idee", rät Slaghuis. Zudem gehe so jeder Bewerber mit der Angst in Vorstellungsgespräche, dass der Schwindel auffliegt und könne sich nicht authentisch zeigen.

Daher sollte man nicht zu viel Energie darauf verwenden, sich etwas auszudenken, was man in der freien Zeit gemacht hat, sondern lieber erklären, wieso man zu diesem Zeitpunkt eine Pause genommen hat. "Wenn jemand zwischen zwei Jobs ein Jahr gezielt nach einem passenden neuen Arbeitgeber gesucht oder sich bewusst einige Monate Auszeit gegönnt hat, dann ist dies genauso legitim, wie die berufliche Auszeit zur Kindererziehung, zur Pflege von Angehörigen oder eine längere krankheitsbedingte Pause." Lücken zu erklären, würde den Arbeitgebern helfen, die eigene Persönlichkeit und den Lebenslauf besser zu verstehen. "Arbeitgeber benötigen Klarheit, um eine gute Entscheidung zu treffen."

Welche Informationen sind für Arbeitgeber relevant - welche nicht?

Trotzdem müsse man nicht jede kleine Lücke begründen. Der Karrierecoach empfiehlt den Bewerbern, sich selbst zu überlegen, ob sie den Lesern ihres Lebenslaufs mitteilen möchten, was sie in der Zeit gemacht haben. Sind diese Informationen für den Arbeitgeber relevant? "Bewerber sind häufig zu stark in einer Erklär- und Rechtfertigungshaltung ", erklärt Bernd Slaghuis. Seine Erfahrung zeige jedoch: Wenn Bewerber mit ihrem eigenen Lebenslauf selbst im Reinen sind, können sie Arbeitgebern auf Augenhöhe begegnen.

Schließlich wechseln viele den Job, nehmen ein Sabbatical oder orientieren sich beruflich neu. In einer modernen Arbeitswelt sollten Bewerber daher Ungereimtheiten im Lebenslauf nicht mehr verstecken müssen. Der Lebenslauf ist auch die eigene Visitenkarte. Sie soll Auskunft über die Vergangenheit des Menschen geben und dem Arbeitgeber die Möglichkeit eröffnen, den Bewerber wirklich kennenzulernen.

© SZ
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