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Leben im Alter:Was brauchen wir eigentlich im Alter?

Rollstuhlfahrer

Wie viel braucht man eigentlich im Alter?

(Foto: dpa)

Viele Menschen fürchten um ihren Lebensstandard. Vielleicht wird die Angst davor geringer, wenn man mal eine grundsätzliche Frage stellt.

Wenn man sich aussuchen könnte, wie das Leben im Alter sein soll, wünschte man sich natürlich ein Szenario wie in den Liedern von Udo Jürgens oder in diesen Werbespots für Bausparverträge: Man läuft fit und vital durch den Garten, ständig umgeben von Enkeln und Kuchen und strahlend weißer Wäsche. Man hat sich ein ausgefallenes Verkehrsmittel zugelegt, wahlweise ein Segelboot, ein Cabrio oder eine Harley. Man geht tanzen, schminkt sich die Lippen barbiepink und ist stets in spektakulären Glanz gehüllt, weil man immer all seine Schmuckstücke gleichzeitig trägt. Die Idee von der reduzierten Eleganz hat man längst hinter sich gelassen, überhaupt schert man sich nicht mehr um Konventionen, es gibt keine Grenzen und keine Sorgen, schon gar keine finanziellen. Man kostet das Leben aus, unbeschwert und glücklich. Wäre das nicht super?

In der Realität aber macht der Gedanke an das Leben im Alter den meisten Menschen Angst. Sie fürchten, später nicht nur keine Harleys und Cabrios anschaffen zu können - sie haben Angst, ihren Lebensstandard nicht halten zu können. Diese Angst ist die Triebfeder hinter allen Versuchen, für das Alter vorzusorgen.

Das ist, um es deutlich zu sagen, absolut nachvollziehbar. Aber wenn man sich Gedanken über Vorsorge macht, ist es vielleicht auch sinnvoll, zunächst ein paar grundsätzlichere Fragen zu stellen: Was macht Lebensqualität eigentlich aus? Oder, noch ein bisschen deutlicher, was brauchen wir eigentlich?

Trend zum Weniger

In den vergangenen Jahren ist diese Frage in Mode gekommen, und eine häufige Antwort darauf ist Reduktion und Vereinfachung. Besonders unter jüngeren Menschen ist Minimalismus ein großes Thema geworden. Den Trend zum Weniger sieht man in allen Ausprägungen und Dimensionen: Da gibt es Beauty-Bloggerinnen, die sich schon minimalistisch nennen, wenn sie von 30 gleichen roten Lippenstiften nur noch drei behalten. Und es gibt Menschen, die ihren gesamten Besitz auf 100 Gegenstände begrenzt haben. Es gibt Leute, die sich in Konsumverzicht üben und andere, die versuchen, ihr Essen nur noch in einem Topf zu kochen, weil sie keinen zweiten mehr besitzen wollen, was man originell finden kann oder irre.

Viel hat mit dem digitalen Fortschritt zu tun. Das Internet hat es möglich gemacht, Dinge in zuvor nicht gekannter Art und Weise zu teilen. Deswegen wollen viele junge Leute kein eigenes Auto mehr besitzen, sondern setzen lieber auf Carsharing-Dienste. Deswegen ist es einfach geworden, selten benutzte Gegenstände, vom Campingkocher bis zur Nähmaschine, einfach auszuleihen, statt damit den eigenen Keller vollzustellen.

Interessant ist schon, dass offenbar viele Menschen die Reduktion ihres Besitzes und ihrer Konsumgewohnheiten als erleichternd empfinden. Die Freiheit von zu viel Zeug. Wenn man versucht, ein klares Bild von dem zu bekommen, was man wirklich braucht, wird das Ergebnis, natürlich, für jeden Menschen anders ausfallen. (Kochen mit einem einzigen Topf ist vermutlich nur für eine Minderheit eine interessante Option.) Sich bewusst zu machen, was man eigentlich alles nicht braucht, kann Besitztümer betreffen, genauso wie Konsumgewohnheiten, Rituale, möglicherweise auch Beziehungen zu bestimmten Menschen.