Lars Windhorst im Gespräch Unterwegs mit Kanzler Kohl

SZ: Bald entdeckte Sie Bundeskanzler Helmut Kohl, pries Sie als Vorbild und nahm Sie als Vorzeige-Jungunternehmer nach Asien mit, inmitten von Wirtschaftsbossen und Top-Managern.

Mit Helmut Kohl ging Lars Windhorst auf Kanzlerreise. Das Foto entstand während einer Bootsfahrt auf dem Saigon-Fluss in Vietnam im November 1995.

(Foto: Foto: dpa)

Windhorst: Alles ging so rasant damals. Zwei Jahre nach meinem Schulabbruch war ich plötzlich umgeben von meinen großen Vorbildern, den Wirtschaftsführern, die auf höchstem Niveau weltweit mitspielen. Es war sehr mutig von Herrn Kohl, mich einzuladen, und ich bin ihm dafür sehr dankbar. Ich habe dadurch viele Kontakte geknüpft, die ich heute noch pflege und nutze.

SZ: Und als Sie dann überdrehten und in wirtschaftliche Probleme kamen: Wo war der Kanzler da?

Windhorst: Oh, alle vermuteten, Kohl werde sich zurückziehen. Aber er lud mich wieder ein, ihn auf Kanzlerreisen nach Lateinamerika und Asien zu begleiten. Dort pflegte er vor den Augen der Presse und anderer Teilnehmer Kontakt mit mir, genauso wie mitreisende Wirtschaftsführer. Es kam Aufmunterung von allen Seiten.

SZ: Dank Kohl waren Sie also ganz oben. Zu Ihrer Büroeröffnung in Berlin kam sogar Hollywood-Star Michael Douglas. Wie viel haben Sie dafür bezahlt?

Windhorst: Nichts. Michael und ich hatten uns bei einem Abendessen der Herrscherfamilie von Bahrain über einen Freund kennengelernt. Wir fanden uns sympathisch, und er fand meinen Lebenslauf interessant. Daraus entstand eine freundschaftliche Beziehung.

SZ: Michael Douglas war der gierige Gordon Gekko in "Wall Street".

Windhorst: Und? Er ist eben Schauspieler. Das spielte keine Rolle. Wir trafen uns gelegentlich, und einmal, ich glaube es war in seinem Ferienhaus auf Mallorca, kam das Gespräch auf meine bevorstehende Büroeinweihung in Berlin. Bis dahin lebte und arbeitete ich ja in Rahden und Hongkong. Ich sagte aus Spaß: Komm doch auch vorbei. Michael meinte: Okay, ich komme. Ich habe nicht daran geglaubt. Doch er kam und blieb zur Überraschung aller fünf Stunden. Es war ein toller Abend.

SZ: Danach war es dann weniger toll. Ende 2001 begann Ihr steiler Absturz. Was lief schief?

Windhorst: Das waren mehrere Gründe. Einer war ein zu starker Kult um meine Person. Ich war noch nicht reif genug, Führungskräfte zu finden, die eigenständig arbeiten. Wir hatten in den Windhorst-Firmen keine stabilen Strukturen. Alles war ganz auf mich zugeschnitten, alle Entscheidungen liefen bei mir zusammen, alle schauten auf mich. Dabei waren die Firmen und ihre Projekte sehr komplex. Das wollte ich nicht wahrhaben. Wir hatten außerdem stark auf die New Economy gesetzt. Als sie einbrach, riss uns das mit.

SZ: Was haben Sie daraus gelernt?

Windhorst: Ich habe mich zu wenig konsequent auf meine Geschäfte konzentriert. Es gab einfach so viele Ablenkungsmöglichkeiten. Ich war jung, neugierig, traf spannende Leute, da waren Partys und Presse. Natürlich hatte ich längst abgehoben, ohne es zu merken.