Landwirtschaft:Investoren drängen in die Landwirtschaft

Getreideernte startet in Niedersachsen

Wintergerstenernte auf einem Feld bei Hannover: Zum ersten Mal zeigen amtliche Daten den Einfluss von Firmen und Investoren.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Hof ohne Bauer: Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe gehören Unternehmensgruppen und Investoren. Das verändert den gesamten Agrarsektor.

Von Silvia Liebrich

Der Bauer, der mit seinem Traktor über die Felder fährt, die Bäuerin, die im Stall die Kühe melkt. So stellen sich viele Menschen die ideale Landwirtschaft vor. Doch dieses Bild stimmt längst nicht mehr. Seit Jahren lockt der Agrarsektor Investoren aus allen Bereichen der Wirtschaft an, darunter auch viele aus der Finanzwelt. Wie sehr das die Branche verändert, zeigt eine neue, erstmalige Erhebung vom Statistischen Bundesamt.

Die Behörde geht darin der Frage nach, wem die Landwirtschaft gehört. Ergebnis der Zählung: Bundesweit befindet sich inzwischen mehr als ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe, genau 36 Prozent, nicht mehr in der Hand von Landwirten und ihren Familien. Sie gehören stattdessen juristischen Personen oder Personenhandelsgesellschaften, die Teil einer Unternehmensgruppe sind. Erhoben wurde diese Daten im Rahmen der Landwirtschaftszählung 2020.

Nach Angaben von Destatis kontrollieren Firmengruppen inzwischen elf Prozent der Landwirtschaftsflächen in Deutschland, wobei es einen deutlichen Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland gibt. Während in den alten Bundesländern knapp ein Viertel der Höfe von Firmen bewirtschaftet wird, gilt das im Osten inzwischen für fast die Hälfte aller Betriebe.

Der Einstieg von Investoren in den Agrarsektor hat in den vergangenen Jahren auch dazu geführt, dass Pachten und Hektarpreise deutlich gestiegen sind. 2020 lag das jährliche Pachtentgelt je Hektar im Durchschnitt bei 329 Euro. Innerhalb von zehn Jahren sind die Pachten damit um bis zu 80 Prozent gestiegen, stellen die Statistiker fest.

Die Zahlen bestätigen einen Trend, der sich seit Jahren auch aus Empfängerlisten für Agrarsubventionen der Europäischen Union ablesen lässt. Zu den größten Nutznießern der Hilfszahlungen gehören unter anderem große Konzerne, die mit Landwirtschaft auf den ersten Blick wenig zu tun haben.

Investoren versprechen sich vom Einstieg in die Landwirtschaft gute Renditen, die der Finanzmarkt nicht bieten kann. Das hat Folgen für traditionelle Landwirte. Viele können sich die deutlich gestiegenen Pachten und Bodenpreise nicht leisten und werden verdrängt. Experten warnen, dass durch den Wandel auch Lebensmittel teurer werden könnten.

© SZ
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