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Landwirtschaft:Bauern beenden ihre Proteste

Nach Zugeständnissen sind erste Gespräche zwischen Bundeslandwirtschafts­ministerium, Einzelhandels­ketten, den Bauern sowie den verarbeitenden Betrieben geplant.

Mehrere Tage lang haben Bauern mit Traktoren die Zentrallager der großen Supermarktketten im Norden blockiert, weil sie zu starke Milchpreissenkungen befürchten. Nun haben ihre Aktionen erste Ergebnisse gebracht. So habe sich die Bauernbewegung "Land schafft Verbindung" (LsV) in der Nacht zu Mittwoch mit der Lidl-Führungsebene auf Gespräche bis zum 11. Januar geeinigt, sagte Schleswig-Holsteins LsV-Vorsitzende Uta von Schmidt-Kühl der Deutschen Presse-Agentur. Der Polizei zufolge waren rund 70 Traktoren unterwegs. Eine ähnliche Vereinbarung habe die Bewegung kurz zuvor in Niedersachsen mit Aldi ausgehandelt. Aldi bestätigte die Gespräche. Darin hätte der Konzern zudem zugesagt, "kurzfristig weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der deutschen Landwirtschaft umzusetzen", teilte ein Aldi-Sprecher mit. So wollen Aldi Nord und Aldi Süd ihre konventionelle und Bio-Frischmilch künftig nur noch aus heimischer Landwirtschaft beziehen und sich zugleich für langfristige Verträge einsetzen, um deutschen Landwirten eine bessere Planungssicherheit zu geben. Die vielen strukturellen Herausforderungen der deutschen Landwirtschaft könne Aldi aber nicht allein lösen. Deshalb müssten alle Beteiligten der Wertschöpfungskette mit einbezogen werden.

Bei den nun für den Januar geplanten Gesprächen sollen das Bundeslandwirtschaftsministerium, die Einzelhandelsketten Rewe, Aldi, Lidl und Edeka, die Bauern sowie die verarbeitenden Betriebe, also Molkereien und Schlachtereien, dabei sein. LsV-Vertreterin von Schmidt-Kühl: "Wir haben darauf bestanden, dass die verarbeitenden Betriebe mit an den Tisch geholt werden, weil wir es mittlerweile leid sind, dass der schwarze Peter immer wieder nur auf den Nächsten geschoben wird." Gemeinsam solle nun über Regeln gesprochen werden, die faire Bedingungen für alle Mitglieder der Lieferkette sicherstellen. Die Bauern wollen dabei unter anderem, dass Preiserhöhungen auch bei ihnen ankommen und dass frische Lebensmittel wie vertraglich vereinbart abgenommen werden. Ursprünglicher Auslöser der Proteste in Norddeutschland waren turnusmäßige Butterpreis-Verhandlungen von Aldi mit den Molkereien.

© SZ vom 31.12.2020 / dpa/lni
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