Süddeutsche Zeitung

Landwirtschaft:5G auf jedem Acker

Sollte Deutschland die neue Mobilfunktechnik wirklich an jede Milchkanne bringen? Ja, sagt die Landmaschinenfirma Claas. Denn selbst Mähdrescher führen künftig autonom herum.

Von Benedikt Müller

Der Mähdrescher misst, wie viel Getreide er erntet. Der Traktor streut nur so viel Dünger, wie auf dem Quadratmeter Acker gerade nötig ist. Und der Sensor an der Kuh funkt, ob das Tier gemolken werden muss. Das sind Beispiele, wie die Digitalisierung die Agrarwirtschaft verändern kann. "Wir sehen da eine deutliche Chance für unsere Kunden", sagt Hermann Lohbeck, Chef des Landmaschinenherstellers Claas. "Dafür muss man diese Information dann aber auch vom Feld bekommen." An der Stelle beginnen Lohbecks Sorgen.

Während Politiker noch diskutieren, ob Deutschland den neuen Mobilfunkstandard 5G wirklich an jede sprichwörtliche Milchkanne bringen sollte, steht die Antwort für Lohbeck schon fest. Noch sei nicht mal die derzeitige Technologie LTE im ganzen Land angekommen. "In der neuen Generation von Funktechnologie muss man auch die Flächendeckung haben wollen", appelliert der Firmenchef an die Politik. Auch Landmaschinen von Claas seien künftig autonom unterwegs und würden viele Daten funken, die der Landwirt speichern und auswerten könne. "Dafür brauchen sie diese schnelle Internetanbindung."

Wenn Lohbeck für den ländlichen Raum wirbt, weiß der frühere Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, wovon er spricht: Alleine am Firmensitz Harsewinkel bei Gütersloh beschäftigt Claas gut 3000 Menschen. Das Familienunternehmen ist der Marktführer für Mähdrescher in Europa - und investiere viele Millionen Euro, um dies auch bleiben zu können. Der neueste Claas-Drescher etwa kommt damit klar, wenn ein Hang bis zu 18 Prozent Neigung aufweist. Bei selbstfahrenden Feldhäckslern sehen sich die Ostwestfalen gar als Weltmarktführer.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat Claas einen Umsatz von 3,88 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ist so viel wie nie zuvor - und doch nicht genug: "Da hätten wir uns noch ein bisschen mehr erwartet", gesteht Lohbeck. Unterm Strich steht ein Gewinn von 152 Millionen Euro; auch diese Marge will der Diplom-Kaufmann fortan steigern. "Wir denken, dass wir nächstes Jahr noch eine gute Schippe drauflegen beim Umsatz", kündigt Lohbeck an, doch schränkt gleich ein: "Da gibt es keine Garantie für." Dann dürften sich die vielen Konflikte im Welthandel nicht weiter verschärfen. Und auch die Landwirte müssten genug Geld verdienen, damit sie all die schlauen Maschinen von Claas auch bezahlen können.

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Quelle:
SZ vom 13.12.2018
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