Europäische ZentralbankBericht: Lagarde verlässt EZB wohl vorzeitig

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Christine Lagarde ist seit 2019 EZB-Präsidentin.
Christine Lagarde ist seit 2019 EZB-Präsidentin. Florian Wiegand/dpa
  • EZB-Präsidentin Christine Lagarde will laut einem Medienbericht vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 vorzeitig aus dem Amt scheiden.
  • Ein EZB-Sprecher erklärt, Lagarde habe noch keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen.
  • Als potenzielle Nachfolger gelten Bundesbankpräsident Joachim Nagel und EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die beide ihre Bereitschaft signalisiert haben.
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Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank habe vor, ihren Posten vor der im April ⁠2027 geplanten französischen Präsidentschaftswahl zu räumen, meldet die „Financial Times“. Ein EZB-Sprecher sagt, Lagarde habe noch keine Entscheidung über das ‌Ende ihrer Amtszeit getroffen.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, wird einem Medienbericht zufolge voraussichtlich vorzeitig aus dem Amt scheiden. Es werde damit gerechnet, dass sie ihre regulär bis Oktober 2027 laufende achtjährige Amtszeit nicht vollständig absolvieren werde, meldete die Financial Times unter Berufung auf eine mit Lagardes Überlegungen vertraute Person. Lagarde habe sich noch nicht auf den genauen Zeitpunkt ihres Ausscheidens festgelegt. Sie habe aber vor, ihren Posten vor der im April ⁠2027 geplanten französischen Präsidentschaftswahl zu räumen. Sie wolle Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz die Gelegenheit geben, eine neue Spitze für die Europäische Zentralbank zu finden. Macron darf 2027 nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht erneut antreten.

Ein EZB-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Lagarde konzentriere sich voll und ganz auf ihre Aufgabe und habe keine Entscheidung über das ‌Ende ihrer Amtszeit getroffen. Die Reaktion der EZB weicht von früheren Aussagen zu ihrer Präsidentin ab. Voriges Jahr hieß es, ‌Lagarde sei „entschlossen, ihre Amtszeit zu beenden“. Unterdessen sprach der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau mit Blick auf den Bericht der Financial Times von einem ⁠Gerücht und nicht von einer Information. Auch EZB-Direktor Piero Cipollone sagte, ihm läge keine entsprechende Nachricht vor. Die deutsche Bundesregierung möchte die Medienberichte laut Insidern nicht kommentieren, schrieb Reuters.

Die erste Marktreaktion auf den möglichen Rücktritt fiel verhalten ‌aus. Anleiherenditen und auch der Eurokurs veränderten sich im frühen Handel kaum: „Anleger tun sich schwer, die Situation zu bewerten, da weder feststeht, ob sich die Rücktrittsgerüchte bestätigen, noch, ob eine Nachfolge Lagardes eher für eine lockere oder konservative Geldpolitik stehen würde“, erläuterte Jochen Stanzl von der Consorsbank.

Ökonomen sprachen von einem plausiblen Schritt. „Europa bereitet sich auf ‌das Risiko vor, dass die Rechtspopulisten im Frühjahr 2027 in Frankreich an die Macht kommen können“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, der Nachrichtenagentur Reuters. „Politisch ist es eine gute Nachricht, dass Europa sich auf den Ernstfall vorbereitet.“ Es mindere das Risiko, dass es bei künftigen Personalentscheidungen zu einer langen Hängepartie kommen könnte, falls ein von den Rechtspopulisten geführtes Frankreich dann Entscheidungen blockieren sollte. Für die Finanzmärkte sei das zwar ein interessantes Thema. Aber auf die Geldpolitik dürfte es keinen unmittelbaren Einfluss haben.

Auch zwei Deutsche als mögliche Nachfolger

Als potenzielle Lagarde-Nachfolger gelten auch zwei Deutsche: Bundesbankpräsident Joachim Nagel und EZB-Direktorin Isabel Schnabel. Nagel ließ zuletzt offen, ob er mittelfristig Ambitionen auf den Chefposten hat. „Grundsätzlich dürfte jeder Notenbanker im EZB-Rat die Kompetenz zur Nachfolge für das Spitzenamt im Eurosystem haben. Und auch externe ‌Kandidaturen mit anderen Profilen haben Chancen“, sagte er ‌im November dem Spiegel. Nagel steht seit Januar 2022 an der Spitze der Bundesbank und hat als Präsident der deutschen Notenbank einen Sitz im EZB-Rat inne.

Schnabel hatte gesagt, sie stehe für den Posten bereit, sollte sie gefragt werden. Die ‌Amtszeit der Dortmunder Ökonomin im EZB-Direktorium läuft bis Ende 2027. Laut den Regularien dürfen Mandate von Direktoriumsmitgliedern nicht verlängert werden.

Lagarde selbst äußerte bislang keine Präferenz für ihre Nachfolge an der Spitze der Europäischen Zentralbank. „Ich habe keinen Lieblingskandidaten“, sagte sie im Dezember in Frankfurt. Sie habe auch nicht gesagt, dass der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot „der geeignete Kandidat“ sei. Es gebe viele sehr gute Optionen. Eine davon sei auch die deutsche EZB-Direktorin Schnabel.

Die Besetzung der EZB-Spitzenposten ist Teil eines Brüsseler Personalpokers. Die Entscheidung liegt bei den Eurostaaten. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski geht davon aus, dass bei der Nachfolge Lagardes auch Länderproporz eine ⁠Rolle spielen wird: „Da Frankreich jetzt schon zwei Mal den Präsidenten gestellt hat, läuft es auf ein Rennen zwischen ‌Spanien und Deutschland hinaus.“ Spanien ‌stellt derzeit mit Pablo Hernández de Cos den Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. De Cos war als früherer spanischer Zentralbankchef von 2018 bis 2024 auch Mitglied des EZB-Rats.

© SZ/dpa/Reuters/dta - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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