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E-Autos:Suche nach Anschluss

E-Säule Elektroauto Ladestation in der Dornierstraße am Ikaruscenter in Puchheim

Das Ladenetz gilt als neuralgischer Punkt beim Ausbau der Elektromobilität.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Weil beim Aufbau von Schnellladestationen für Elektroautos wenig vorangeht, will der Bund an bestimmten Standorten nun selbst Bau und Betrieb von Lademöglichkeiten finanzieren.

Von Markus Balser, Berlin

Die Bundesregierung will die massiven Lücken im deutschen Schnellladenetz für Elektroautos mit einem Gesetz schließen. Das Kabinett brachte am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg, der auch lange Fahrten mit E-Autos erleichtern soll. Ziel des sogenannten Schnellladegesetzes ist es, dass der Bund selbst den Aufbau von Ladesäulen da mitfinanziert, wo sich deren Aufbau und Betrieb für private Betreiber nicht rechnet, etwa in Ferienregionen oder an weniger befahrenen Fernstraßen.

Geplant sind europaweite Ausschreibungen zum Aufbau eines öffentlichen Schnellladenetzes mit 1000 Standorten bis zum Jahr 2023. Die Stationen sollen eine Leistung von über 150 Kilowatt haben und das Laden in wenigen Minuten ermöglichen. Gerade das schnelle Laden sei für die Langstreckentauglichkeit von E-Autos entscheidend, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Ladesäulen lassen sich noch nicht wirtschaftlich betreiben

Bislang sind solche Ladesäulen äußerst selten. Dabei gilt das Ladenetz als neuralgischer Punkt beim Ausbau der Elektromobilität in Deutschland. Nach Angaben des Energieverbands BDEW gibt es derzeit 950 Ladepunkte mit dieser Leistung. Derzeit sei der Betrieb von Ladesäulen, auch von Schnellladesäulen, noch nicht wirtschaftlich.

Angeheizt von Prämien war die Zahl der neuzugelassenen Elektroautos zuletzt stark gestiegen. Noch immer aber dominieren vor allem Benzin- und Dieselfahrzeuge. Die Elektromobilität spielt jedoch eine wichtige Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, damit Klimaziele im Verkehr erreicht werden. Die SPD kritisierte massive Verspätung Scheuers bei dem Gesetz. "Die zögerliche Herangehensweise unseres Verkehrsministers an die Ladeinfrastruktur gefährdet das Gelingen der Verkehrswende", warnt SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. "Die Frage, wo ich mein Auto laden kann, wird zunehmend zum Nadelöhr der Verkehrswende. Wir bringen immer mehr E-Autos auf die Straße, doch die Zahl der Ladesäulen wächst nicht annähernd im selben Tempo."

Fahrzeuge sollen bald computergesteuert unterwegs sein

Ausbauen will die Bundesregierung auch den Einsatz autonomer Autos, Transporter und Busse. Er soll in festgelegten Zonen bundesweit bis 2022 möglich werden. Künftig dürfen Pendel-Busse und Güter-Transporte auf kurzen Distanzen im Regelbetrieb fahren können. So geht es aus dem Gesetz zum autonomen Fahren hervor, das das Kabinett am Mittwoch ebenfalls beschloss. Fahrzeuge sollen demnach komplett computergesteuert unterwegs sein können. In Notfällen muss aber ein Leitstand eingreifen können. Laut Bundesverkehrsministerium ist Deutschland damit das erste Land, das Autos ohne Fahrer in den Regelbetrieb bringt.

Bislang waren autonome Fahrzeuge nur mit Sondergenehmigungen etwa auf Betriebsflächen unterwegs. Zudem hat die Autoindustrie bereits in gehobenen Modellen automatische Systeme zum Überholen, Spurwechsel oder Bremsen eingebaut, allerdings nur um den Fahrer zu unterstützen.

© SZ
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