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L'Oréal: Kampf ums Erbe:Nicht mit meiner Mutter

Chaos bei L'Oréal: Erst versucht die Tochter der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ihre Mutter zu entmündigen - jetzt wird Francoise Meyers-Bettencourt von ihrer Mutter verklagt. Wegen "seelischer Gewalt".

Michael Kläsgen

Jetzt hat die Mutter gegen die Tochter geklagt. Wegen "seelischer Gewalt". Denn die Tochter hatte zuvor zum dritten Mal versucht, ihre Mutter, Liliane Bettencourt, die Erbin des Kosmetikkonzerns L'Oréal und überdies die reichste Frau Frankreichs, zu entmündigen. Die Familienfehde der Bettencourts geht damit in eine neue Runde. Auch an diesem Donnerstag, an dem die Multimilliardärin 88 Jahre alt wurde, gab es im engeren Familienkreis nichts zu feiern. Mutter und Tochter kommunizieren nur noch über ihre Anwälte, und auch die liegen natürlich im Clinch.

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Liliane Bettencourt und ihre Tochter Francoise Meyers-Bettencourt: beide kämpfen gegeneinander.

(Foto: AFP)

Das könnte man alles als Seifenoper à la Dallas abtun, wenn mit dem Ausgang des Streits nicht das Schicksal des weltweit größten Kosmetikkonzerns verbunden wäre. Liliane Bettencourt will noch vor ihrem Ableben sicherstellen, dass der Konzern über ihren Tod hinaus in Familienbesitz bleibt und nicht an den Schweizer Nestlé-Konzern verkauft wird. Bereits in einem Brief im Jahr 1999 tat sie ihre Furcht darüber kund.

Liebäugeln mit der Nestlé-Option

Jetzt, angesichts der drohenden Entmündigung, wird sie ganz konkret: Sie verlöre ihre Stimmrechte im Aufsichtsrat von L'Oréal. Ihre Tochter Françoise Meyers-Bettencourt und deren Mann, Jean-Pierre Meyers, die beide ebenfalls im Aufsichtsrat sitzen, hätten dann das Sagen. Und ihnen wird nachgesagt, dass sie mit der Nestlé-Option liebäugeln. Offiziell bestreitet die Tochter das natürlich.

Ihre Mutter will dieser Option jedenfalls einen Riegel vorschieben. In einem Schreiben an die Anwälte ihrer Tochter, das sie parallel zur Klage verschickte, fordert sie ihre Tochter auf, einen Teil ihrer L'Oréal-Aktien an ihren 24-jährigen Sohn Jean-Victor Meyers abzutreten. "Liliane Bettencourt sucht eine Lösung, die den Bestand von L'Oréal und den Platz der Familie innerhalb des Konzerns sichert", erklärt einer ihrer Anwälte. Die 88- Jährige will ihrem Enkel so ermöglichen, in den Aufsichtsrat von L'Oréal einzuziehen, wenn das Mandat ihres Schwiegersohns als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender 2012 ausläuft. Zu dem 24-Jährigen hat sie größeres Vertrauen als zu ihrem Schwiegersohn. Den hält sie für den Drahtzieher hinter den Attacken ihrer Tochter.

Ihren beiden Enkeln sowie ihrer Tochter hat sie zwar bereits das sogenannte bloße Eigentum an dem Aktienpaket von gut 30 Prozent an L'Oréal abgetreten. Den Nießbrauch an dem Anteil übt sie aber weiter aus. Das heißt, ihr obliegt die Kontrolle darüber. Sie erhält auch die Dividenden. Und sie könnte ihre Tochter den Anteil wieder entziehen und sie enterben. Ihr Anwalt, Georges Kiejman, schloss das explizit nicht aus.

Es ist derselbe Anwalt, der ein ärztliches Attest über die geistige Zurechnungsfähigkeit der alten Dame unterschlagen haben soll. Für die Gesundheit der Milliardärin interessiert sich inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. Sie durchsuchte sieben Stunden lang die Räumlichkeiten von Bettencourts Hausarzt. Der wiederum soll für seine Dienste ein Millionenhonorar von der Erbin kassiert haben - ein weiteres Kapitel in der Familiensaga.

© SZ vom 22.10.2010/hgn

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