Süddeutsche Zeitung

L'Oréal: Familienzoff:Ende gut, alles gut

Psychoterror, erbitterte Kämpfe und eine exzentrische Milliardärin: Die französische L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt und ihre Tochter haben ihre Fehde ums Erbe beigelegt.

Drei Jahre waren sie keine Familie mehr, nur noch erbitterte Gegner in einer Schlammschlacht um Milliarden. Die Tochter wollte die exzentrische Mutter entmündigen lassen, diese konterte mit dem Vorwurf, ihr Sprößling betreibe Psychoterror.

Umso überraschender deshalb: Die alte Dame und ihre Tochter haben sich versöhnt, der Streit ist offenbar beigelegt. Die Tochter der 88-Jährigen Liliane Bettencourt wolle nicht weiter gerichtlich gegen ihre Mutter und Menschen aus deren Umfeld vorgehen, kündigte der Anwalt von Françoise Bettencourt-Meyers an.

Dies beziehe sich insbesondere auf die Anzeigen gegen den Künstler François-Marie Banier. Ihm hatte die Tochter vorgeworfen, ihre Mutter ausgenutzt und die steinreiche L'Oréal-Erbin um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks erleichtert zu haben. Françoise Bettencourt-Meyers hatte daraufhin mehrere Versuche gestartet, ihre Mutter entmündigen zu lassen. Sie hatte dies damit begründet, dass diese nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sei.

Die reichste Frau Europas ließ im Gegenzug Anzeige gegen ihre Tochter wegen Psychoterrors erstatten. Ihr Vermögen wird auf 20 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro) geschätzt.

"Liliane und Françoise sind sich wieder näher gekommen und haben sich darauf geeinigt, alle Auseinandersetzungen zu beenden", sagte der Anwalt. Nach drei Jahren Rechtsstreit seien die beiden froh, dass die Sache nun ein glückliches Ende genommen habe. Liliane Bettencourt ließ die Einigung mit ihrer Tochter bestätigen, nannte aber keine Details.

Sarkozy in Not

Im Zuge des Familienstreits waren eine ganze Reihe weiterer Affären rund um Liliane Bettencourt bekannt geworden, welche auch die konservative Regierung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy schwer in Bedrängnis brachten. Neben Steuerhinterziehung wurde der L'Oréal-Hauptaktionärin auch vorgeworfen, illegale Parteispenden an die Regierungspartei UMP übergeben zu haben.

So untersucht die Justiz, ob eine illegale Spende in Höhe von 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 floss. Die dazu laufenden Ermittlungsverfahren sind von dem Rückzieher der Tochter nicht betroffen.

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