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L'Oréal-Erbin:Die Frau hinter dem Geschäft mit der Schönheit

FILE LOreal Heir Liliane Bettencourt,Dies Aged 94

Liliane Bettencourt ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

(Foto: Francois Durand)

Liliane Bettencourt hatte den Kosmetikkonzern L'Oréal von ihrem Vater geerbt, den sie geradezu vergötterte. Obwohl sie zurückgezogen lebte, wurde sie doch Hauptfigur mehrerer Skandale. Jetzt ist die reichste Frau der Welt gestorben.

Liliane Bettencourt war eine diskrete Frau. Sie zeigte sich nicht wie die anderen Reichen und Schönen in Saint-Tropez, posierte nicht für die Fotografen. Vor den Journalisten floh sie. Trotzdem erlebte sie in den vergangenen Jahren, wie sie - wegen indiskreter Bediensteter in ihrem Anwesen im Pariser Nobelvorort Neuilly - zur Hauptfigur mehrerer Skandale wurde. Darin ging es um gierige Politiker und um falsche Freunde, mit denen sie sich umgeben hatte. Und immer um ihr Geld.

Bei aller Zurückhaltung hatte sich ja nicht verheimlichen lassen, dass das Geschäft mit der Schönheit die Hauptaktionärin von L'Oréal zur reichsten Frau der Welt gemacht hat. Das US-Magazin Forbes taxiert das Vermögen auf 48 Milliarden Dollar. Jetzt ist Bettencourt im Alter von 94 Jahren in ihrem Anwesen in Neuilly verstorben. "Meine Mutter ist friedlich von uns gegangen", sagte ihre Tochter Françoise Bettencourt Meyers am Donnerstagabend.

Alles begann mit einer Haartönung

Liliane Bettencourt sah sich auch und vor allem als Erbin. "Ich bin in erster Linie die Tochter meines Vaters", sagte sie einmal. Das sollte bedeuten, dass ihre Aufgabe darin bestand, das vom geradezu vergötterten Vater Eugène Schueller 1907 gegründete Unternehmen zu bewahren und gedeihen zu lassen. Der Elsässer Schueller, der sich vor dem Zweiten Weltkrieg auch als Financier einer rechtsextremen Gruppe betätigte, hatte eine Haartönung erfunden und damit die Grundlage des Erfolgs gelegt.

Durch die Fürsprache von Lilianes späterem Mann André Bettencourt, einem konservativen Politiker, entging Schueller nach dem Krieg weitergehenden Strafen. Er konnte L'Oréal weiter aufbauen. 1957 erbte die einzige Tochter das Unternehmen. Sie bewies ein gutes Händchen für die Manager, denen sie den Konzern anvertraute: Sie machten ihn zum größten Kosmetikhersteller der Welt. Bettencourt brachte L'Oréal an die Börse und beteiligte den Schweizer Multi Nestlé am Kapital - ohne je die Kontrolle aufzugeben.

Bettencourt war auch als Mäzenin bekannt, die sich für Kultur, Wissenschaft oder Frauen in Not engagierte. Um ihre Großzügigkeit wussten aber auch die, die sie missbrauchen wollten. Ermittlungen wegen illegaler Parteispenden, die Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy von ihr erhalten haben sollte, endeten 2012 ergebnislos.

Dafür bestätigte sich, dass Bettencourt Steuerhinterziehung auf Schweizer Konten zugelassen hatte. Der Fotograf und Hausfreund François-Marie Banier wurde verurteilt, weil er sich von der demenzkranken Bettencourt fast eine Milliarde Euro erschlichen hatte. Es war ihre Tochter Françoise, die diesen Missbrauch stoppte. Das führte erst zu scharfem öffentlichen Streit zwischen den beiden Frauen. Am Ende aber waren sie versöhnt: Weil Lilianes Lieblingsenkel Jean-Victor Meyers ihre Geschäfte fortführt.

© SZ vom 22.09.2017/lkr

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