Kurs von Joe Kaeser Neuer Siemens-Chef will Konzern befrieden

Noch schwelt im Aufsichtsrat der Streit über den Rauswurf von Peter Löscher, da verlangt der neue Siemens-Chef Joe Kaeser: Schluss mit Krach und Unruhe! Kaeser will den Konzern zurück zu alter Stärke führen - und am laufenden Sparprogramm festhalten.

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser will den Technologie-Konzern wieder zu alter Stärke führen. "Das, wofür Siemens bekannt ist, muss wieder in den Vordergrund rücken: Kundennähe. Die Ingenieurskunst. Das Gespür für Qualität und natürlich die finanzielle Stabilität", sagte Kaeser in einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten.

Nach dem Wirbel um die Ablösung von Vorgänger Peter Löscher bemüht sich Kaeser nun, die Lage neu zu sortieren. Siemens müsse jetzt "beruhigt und befriedet werden", sagte der 56-Jährige dem Spiegel. Weitere Flops wie zuletzt bei der Anbindung von Offshore-Windparks oder der immer weiter verzögerten Auslieferung neuer ICE-Züge könne Siemens sich nicht mehr leisten. Kaeser betonte gegenüber dem Magazin die Bedeutung einer guten Unternehmenskultur und kündigte "Entschlossenheit und Aufbruchstimmung" an.

Ein kompletter Kurswechsel ist für Siemens allerdings auch mit dem neuen Chef nicht zu erwarten. Gegenüber den Nürnberger Nachrichten kündigte Kaeser an, an dem von Peter Löscher in Gang gesetzten Sparprogramm "Siemens 2014" festzuhalten. Zugleich bekräftigte er seinen Willen zur Zusammenarbeit mit Betriebsräten und IG Metall. Was auf jeden Fall aufhören müsse, sei "die starke Innenorientierung zwischen den drei Polen unseres Konzerns: den Sektoren und ihren Untergliederungen auf der einen Seite, den Vertriebsregionen und als Drittes den Konzernfunktionen", sagte Kaeser der Zeitung. Alle drei Bereiche müssten miteinander arbeiten "für gute und saubere Geschäfte".

Kaeser will kein konkretes Renditeziel ausgeben

An der bisherigen Aufteilung des Konzerns in die Sektoren Industrie, Energie, Medizin und Infrastructure & Cities will Kaeser vorerst festhalten. Sein Verhältnis zur Gewerkschaft IG Metall bezeichnete der neue Konzernlenker als "sehr konstruktiv". Auf die Frage, ob sich die Beschäftigten damit darauf verlassen könnten, dass es auch künftig keine betriebsbedingten Kündigungen bei Siemens Deutschland geben werde, sagte Kaeser: "Sicher, der Beschäftigungspakt steht weiter und ich bekenne mich zu ihm." Auch die Arbeitnehmervertreter verstünden aber, "dass ein Unternehmen nur dann auf Dauer bestehen kann, wenn es branchenüblichen Gewinn macht". Deshalb sei die Verbindung von "Mensch und Marge" so wichtig.

In Bezug auf das konkrete Renditeziel seines Vorgängers von zwölf Prozent riet Kaeser davon ab, sich zu fest an bestimmte Zahlen zu klammern. Es gehe darum, dass der Abstand zu den Wettbewerbern bei der Profitabilität aufgeholt werde, sagte er der den Nürnberger Nachrichten. "Ob dann die Rendite bei zehn, zwölf oder bei irgendeiner anderen Zahl liegt, ist nicht entscheidend".

Kaeser bestreitet jede Beteiligung an der Absetzung von Löscher

Kaeser bestritt vehement, treibende Kraft beim Abgang Löschers gewesen zu sein. "Ich kann für mich ausschließen, einen Anteil daran gehabt zu haben." Der Aufsichtsrat habe entscheiden müssen, ob Löscher das Amt weiter führen soll - und falls nicht, wer dann nachfolgen sollte. Er stehe ständig mit seinem Vorgänger in Kontakt. "Wir haben uns beide darüber ausgetauscht, dass wir nicht gegeneinander arbeiten."

Kaeser hatte stets betont, eng an der Seite Löschers zu stehen, doch bei Gelegenheit ließ er auch Zweifel an dessen Kurs durchschimmern. So soll er frühzeitig beim Aufsichtsrat vor Defiziten des von Löscher initiierten Sparprogramms gewarnt haben.

Löscher war in der vergangenen Woche vom Siemens-Aufsichtsrat als Konzernchef abgesetzt worden. Im obersten Kontrollgremium des Münchner Konzerns soll der Krach über den Rauswurf Löschers noch nicht beigelegt sein. "Ungläubiges Erstaunen" habe sich im Aufsichtsrat breitgemacht, berichtet der Spiegel unter Berufung auf Vertreter der Kapitalseite.

Speziell zwischen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und seinem Vize, Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, soll es zu einem heftigen Streit gekommen sein. Ackermann und zwei weitere Mitglieder des Gremiums empfanden es als unwürdig, wie Löscher vom Hof gejagt werden sollte, stimmten am Ende jedoch auch für seine Abberufung. Für die Zukunft rechnen die Quellen des Spiegels durchaus mit weiteren personellen Konsequenzen.