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Kurioser Wandel des Florian Homm:Für Erfolg 10 000 Stunden an einer Sache arbeiten

Er sei gekommen, "weil hier Querdenken erlaubt und erwünscht ist". Seine Botschaften sind klar: "Wenn ihr weltlichen Erfolg haben wollt, müsst ihr 10 000 Stunden an einer Sache arbeiten, euch eine Nische suchen. Ich selbst habe mit 15 Bilanzen studiert, als andere Bravo lasen. Nach zehn Jahren in diesem Job konnte ich in zwei Minuten jede Schwachstelle in den Zahlen erkennen." Er prahlt noch immer. Früher nutzte er die Schwächen und wurde reich damit. Auf etwa 300 Millionen Euro wurde sein Vermögen in seinen besten Jahren nach der Jahrtausendwende geschätzt. "Ich hatte Macht, Geld und Adrenalinstöße. Aber das ist nicht die Erfüllung."

Was ist sie dann? "Seelen retten", sagt Homm und beamt eine Vortragsseite an die Wand mit dem Titel ,,der Gutmensch". Darauf skizziert sind seine Engagements in diversen Stiftungen für benachteiligte Kinder in Liberia, für Impfstoffe und für eine Firma, die Medikamente gegen Hautkrankheiten entwickelt und auf den Markt bringt. Ob er mit der auch viel Geld verdient habe, möchte ein Student wissen. "Klar, das ist nichts Schlechtes. Aber ich habe auch gebetet, dass diese Firma und ihr Medikament zugelassen werden."

Der Glaube und das Gute zu tun liegen bei Homm dicht beieinander. Vom Erzkapitalisten zum Erzchristen. Es ist schwer nachzuvollziehen, aber ganz unglaubwürdig ist es nicht. Homm hat materiell sehr viel gewonnen in seinem Leben. Und wohl bis auf eingefrorene Gelder in der Schweiz das meiste verloren. Seine Ehe ist ruiniert, seine Gesundheit sowieso. Und er muss einige Anwälte beschäftigen, die schlechten Seiten seines Lebens als skrupelloser Investor aufzuräumen. Dass ihn das FBI irgendwann entführen lässt, ist auch nicht ausgeschlossen. So lange will er aber seine neue Sicht der Dinge verbreiten, wenn sie jemand hören will.

"Ihr müsst nicht auf Reichtum verzichten, aber ihr sollt das Gute, Wichtige nicht aus den Augen verlieren", sagt er. So ein Satz könnte auch in der Bibel stehen.

© SZ vom 06.11.2014/fie
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