Kuriose Karriere:Klein-Florida am Schwielowsee

Lesezeit: 4 min

Axel Hilpert war für den Geheimdienst und DDR-Devisenbeschaffer Schalck-Golodkowski tätig. Nun erfüllt er Urlaubsträume - mit einem Ferienresort in Brandenburg.

Steffen Uhlmann

Er hat alles wieder so gewollt und alles wieder so bekommen. Die Anerkennung ist wieder da, die Geschäfte gehen wieder gut, die Küche im neuen Haus ist haargenau wieder so eingerichtet, wie sie es schon im alten Haus gewesen ist.

Ressort von Axel Hilpert am Schwielowsee in Brandenburg

Florida zum Vorbild: Das Ressort von Axel Hilpert.

(Foto: Foto: dpa)

Axel Hilpert sitzt in gediegenem Plüsch, abgeschirmt von der realen Welt. "Es ist schon unheimlich", durchbricht er die Stille: "Ich werde in diesem Herbst sechzig, da sollte man sich endlich mit dem Rückzug befassen."

Gedankenverloren gönnt sich Hilpert eine kleine Pause und erschrickt dabei. Das mit dem Rückzug, sagt er schnell, sei eher scherzhaft gemeint.

Silbermond über dem See, schneeweiße Häuser am Ufer und Träume hinter dem Schilfgürtel - seit Mitte April 2005 bietet Hilpert seinen Gästen das Urlaubs- und Ferienresort Schwielowsee an.

Dort lebt der 59-Jährige auf Tausenden von Quadratmetern seine Leidenschaften aus: Kuba und karibisches Flair, Hemingway und Amerika, Fontane und die Mark Brandenburg, den Buddhismus und einen seiner Hohepriester, Khamba Lama. Und er verdient gut daran.

Schon im Eröffnungsjahr 35.000 Gäste

Hilpert ist ein Beispiel für die ungewöhnlichen Karrieren, die Menschen aus der ehemaligen DDR nach der Wende machten. Er war ganz oben und ganz unten, er hat schnell gelernt, wie der Kapitalismus funktioniert - und dass ein Geschäftsmann für gute Geschäfte vor allem eines braucht: gute Beziehungen.

Schon kurz nach der Wende hatte der Kaufmann das Konzept für ein Urlaubs- und Ferienresort am westlichen Ufer des Schwielowsees im Kopf. Seinerzeit aber stieß Hilpert auf viele Vorbehalte in dem Kleinod kurz vor den Toren Potsdams.

Auch den Vertretern in der angrenzenden Stadt Werder und einigen Politikern in der Potsdamer Landesregierung war der Mann mit dem bisweilen polternden Selbstbewusstsein suspekt. Zumal sein damals schon veritables Imperium viel Phantasie, Gerüchte und Neid entfachte. Stur hielt er an seinen Plänen fest, ein gutes Dutzend Jahre lang, bis er die Baugenehmigung für seinen Traum in der Tasche hatte.

Fast 50 Millionen Euro hat die Theodor Fontane Besitz- und Betriebsgesellschaft mbH mit Hilpert und dem ehemaligen Bild-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje als geschäftsführende Gesellschafter an der Spitze während der ersten Baustufe in das Anwesen investiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Expansion nach Kuba und in die Mongolei

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